Theodor Herzl für Jugendliche

25. Mai 2005, 21:11
1 Posting

In Jerusalem wurde am Donnerstag ein Museum eröffnet, das vor allem der Jugend das Wirken von Theodor Herzl vor Augen führen soll

Eine Theodor-Herzl-Renaissance, zu der auch Österreich einen Beitrag leistet, wurde am Donnerstag in Israel eingeleitet - dem Propheten des jüdischen Staats ist erstmals ein Gedenktag gewidmet, der ab nun jährlich am (nach dem jüdischen Kalender gerechneten) Geburtstag Herzls abgehalten werden soll. Gerade rechtzeitig ist auch das neue Herzl-Museum in Jerusalem fertig geworden, zu dessen Eröffnung auch Österreichs Kulturstaatssekretär Franz Morak nach Jerusalem kam. "Ich glaube, die junge Generation weiß nichts über Herzl", klagt Museumsdirektorin Monica Zelingher. Durch das Projekt, das besonders jugendgerechte Mittel einsetzt, soll das jetzt anders werden. Rund ein Viertel der Kosten von umgerechnet rund 2,4 Mio. Euro haben öffentliche und private Förderer in Österreich aufgebracht.

Eine improvisierte Straßenumfrage unter 17-Jährigen in Herzlia, der nach Herzl benannten Stadt nördlich von Tel-Aviv, ergab, dass man zwar vom legendären Gründervater in der Schule gehört hat, aber sich nicht mehr daran erinnern kann, wo er gelebt hat - "vielleicht in Polen oder Deutschland". Nahe der Grabstätte, wo seit 1949 Herzls aus Wien überführte Gebeine ruhen, war zwar schon 1960 ein Herzl-Museum errichtet worden, doch es bestand nur aus einem einzigen Raum mit Möbeln und anderen Gegenständen aus dem Besitz des Journalisten und Bühnenautors.

Neues Filmmaterial

Der Schreibtisch, das Kurbeltelefon und die Bücher sind natürlich auch im neuen Museum ausgestellt, das mit historischem und neu gedrehtem Filmmaterial, mit Geräuscheffekten und stilisierten Rekonstruktionen der Schauplätze den Weg des rastlosen politischen Aktivisten Herzl nachzeichnet - vom Initialschock durch den giftigen Antisemitismus um den Dreyfus-Prozess in Paris über den Zionistenkongress in Basel bis hin zu den Interventionen bei Monarchen und Ministern.

Die Informationen über Herzls private Lebensumstände bleiben freilich etwas spärlich. Gegen Schluss wird das heutige Israel mit Herzls bis ins Detail geplantem Musterstaat verglichen - seiner Zeit vorauseilend wünschte er etwa die Gleichberechtigung der Frauen und die völlige Trennung von Religion und Politik. (Ben Segenreich/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.05.2005)

Von Ben Segenreich aus Jerusalem
  • Mit lebensgroßen, leuchtenden Figuren wird im neuen Theodor-Herzl- Museum der
1896 in Basel abgehaltene Zionistische Kongress nachgestellt.
    foto: ulrich sahm

    Mit lebensgroßen, leuchtenden Figuren wird im neuen Theodor-Herzl- Museum der 1896 in Basel abgehaltene Zionistische Kongress nachgestellt.

Share if you care.