Tanzen ist nicht Sex

24. Mai 2005, 21:23
56 Postings

"A krasses Missverständnis", beteuert der 35-jährige muskulöse Mann mit dem geltriefenden Haupthaar ... Eine Gerichtsgeschichte von Daniel Glattauer

Wien - "Jetzt geht's mir besser", sagt Angelika (21) nach der Verhandlung zu ihrer Mutter. Der "fesche Peda", wie er sich rund um die Wiener Vorstadtdiskos nennen lässt, "einer der größten Abschlepper vom Dienst", glaubt man den Ausführungen seines Aufrisskumpels Giovanni, dieser Peter ist tatsächlich verurteilt worden. Zwei Jahre teilbedingt wegen versuchter Vergewaltigung. "Das gibt Mut", sagt Angelika.

"A krasses Missverständnis", beteuert der 35-jährige muskulöse Mann mit dem geltriefenden Haupthaar und den impressionistischen Bartstrichen. "I schwör's, des is ma in meinem Leben no net passiert, dass ane des net will", erklärt er dem Richter, dessen Gesichtszüge sich mangels Solidaritätsgefühl rasch verdüstern.

Angelika war dem "feschen Peda" an jenem Abend sofort aufgefallen. "Herr Rat, wie die sich beim Tanzen bewegt hat, des war eindeutig", sagt er. "Tanzen ist tanzen, Sex ist Sex!", protestiert der Richter. "Und ang'habt hat's a net vü", setzt der Angeklagte nach. An der Bar sei man ins Gespräch gekommen. "Des war dann sogar mehr als eindeutig", bleibt Peter beharrlich. Es habe ihn geradlinig zur Kernfrage des Abends geleitet: "Gemma no zu mir?" - Sie habe sofort "Ja" geantwortet.

Angelika gibt zu, Fehler gemacht zu haben. "Ich hab mich von ihm auf einen Wodka einladen lassen, ich hab mich anflirten lassen, er hat meine Hand berührt, ich hab's zugelassen."

Mitgegangen sei sie nur, weil von einer "großen Geburtstagsparty bei Freunden" die Rede war. In der Wohnung war es dann aber verdächtig still. "Die kommen erst", vertröste sie Peter. "Dann hat er ang'fangen, mich abzugrapschen und auszuziehen."

Der Angeklagte gibt wohl zu, dass Angelika Widerstand geleistet hat. "Ich hab aber g'laubt, dass g'hört zum Spiel", behauptet er. "Viele wollen das so, ein bissl wilder, das turnt sie an", erzählt er aus der Praxis. Erst als Angelika weinte und schrie, ließ er von ihr ab. Nackt lief sie auf den Gang und alarmierte die Nachbarn.

"Sie müssen radikal umdenken", gibt der Richter dem "feschen Peda" mit in die Zelle. (Daniel Glattauer, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Mai 2005)

Share if you care.