Windräder könnten globalen Energiebedarf decken

27. Mai 2005, 12:19
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Wissenschafter erstellten "Weltkarte der Winde" - Das Ergebnis: Das Windkraft-Potenzial ist 40-mal größer als der globale Bedarf

Wissenschafter haben erstmals eine "Weltkarte der Winde" veröffentlicht. Das Ergebnis ihrer Studien: Die Windkraft könnte spielend den gesamten Energiebedarf des Planeten decken. Wenn sie konsequent an den Orten ausgenutzt würde, an denen es am stärksten weht.

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Washington/London - Der Energiebedarf der Welt könnte vollständig aus Windkraft gedeckt werden. Denn es gebe weitaus mehr verfügbare Windenergie als bisher angenommen, berichten Cristina Archer und Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University im Fachblatt Journal of Geophysical Research-Atmospheres.

Die Klimatologen werteten für die weltweit bisher größte Studie zu diesem Thema die Windmessungen eines Jahres von 7500 Wetterstationen und 500 Messballons aus und erstellten aus den so gewonnenen Daten eine "Weltkarte des Windes". Die Karte soll künftig bei der Standortwahl von Windkraftanlagen helfen.

Eine der stürmischsten Regionen der Welt ist die Nordsee. Auch Feuerland, die großen Seen in Nordamerika und Tasmanien sind laut dieser Datenanalyse ideale Standorte für künftige Windkraftwerke. Doch auch viele andere Gegenden kommen der Studie zufolge in Frage: An jedem achten Ort, an dem Messungen durchgeführt wurden, wehte der Wind im Jahresdurchschnitt heftiger als mit Windstärke 3 (das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 6,9 Metern pro Sekunde, siehe Grafik) und damit ausreichend stark, um die Turbinen auch finanziell rentabel betreiben zu können.

Würden in all jenen Gebieten Windkraftanlagen aufgestellt, könnten nach den Berechnungen der Forscher etwa 72 Terawatt erzeugt werden - das 40fache des Verbrauchs an elektrischer Energie im Jahr 2000 auf dem gesamten Globus. Zum Vergleich: Um ein Terawatt Energie zu erzeugen, braucht man 500 Atomkraftwerke oder mehrere tausend Kohlekraftwerke.

Die Klimatologen ermittelten jeweils die Windstärken, die in 80 Meter Höhe herrschen, also dort, wo sich die Rotoren drehen. Dazu griffen sie auf bodennahe Windmessungen zurück. Mit einem neuen mathematischen Verfahren errechneten sie daraus die Windgeschwindigkeiten in größerer Höhe. Um die theoretisch erzeugbare Energie tatsächlich produzieren zu können, müssten freilich Millionen von Turbinen errichtet werden - große Lärmquelle und Gefahr für Vögel, wie die Forscher einräumen. Zudem müssten für den Fall der Flaute alternative Energiequellen bereitgehalten werden.

Archer und Jacobson fordern deshalb, vermehrt Windfarmen im Meer zu bauen. Denn die Messungen haben ergeben, dass der Wind auf See mit 8,6 Metern pro Sekunde im Durchschnitt doppelt so stark weht wie an Land. Das erkläre auch die Ineffizienz vieler bestehender Windkraftanlagen an Land. "Die Karte", schreiben Archer und Jacobson, "wird Leute in einigen Regionen überzeugen, Windenergie zu nutzen". Durch den gleichzeitigen Verzicht auf die Verbrennung fossiler Energiequellen könnten auch Treibhausgasemissionen und in Folge die zunehmende Erderwärmung reduziert werden.

Faktor Klimaschutz

Eine Donnerstag in London veröffentlichte Studie von Forschern der Sustainable Development Commission (SDC) der britischen Regierung kommt ebenfalls zum Schluss, dass nur durch Ausbau von Windkraftanlagen das Kiotoziel erreicht werden könne. Um 20 Prozent des britischen Energiebedarfs aus Windkraft zu gewinnen, müssten lediglich 0,0001 Prozent der britischen Landfläche für Windfarmen geopfert werden.

Der Report verweist auch auf Vorbehalte der Bevölkerung, die unansehnliche Veränderungen der Landschaft durch die ästhetisch nicht sonderlich ansprechenden Windräder sowie Gefahren für Vögel befürchtet. Daher empfehlen auch die britischen Forscher, Windfarmen primär im Meer zu bauen - jenseits der Zugvögelrouten. (boja, fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.05.2005)

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    Unästhetisch, Lärmquelle, Gefahr für Vögel, aber höchst effizient, wenn am richtigen Ort aufgestellt: Windräder. Laut US-Forschern könnte Windkraft spielend den gesamten Energiebedarf des Planeten decken.

  • Weltkarte der Windenergie
    standard/stanford university

    Weltkarte der Windenergie

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