Die prägenden Jahre des Erfolges

29. Mai 2005, 21:23
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Aufstiegskandidat SV Ried hat gelernt, es sich gut gehen zu lassen, auch wenn er nicht aufsteigen sollte

Ried/Wien - "Der Abstieg ist nie eine Chance, sich wirtschaftlich zu konsolidieren", sagt Peter Vogl. Der Rechtsanwalt und Aufsichtsrat der Fußball-Bundesliga übernahm vor rund zwei Jahren "das Steuer", wie er sagt. Der SV Kletzl Ried war nach acht Jahren aus der obersten Liga abgestiegen. Das Stadion entsprach nicht den Vorschriften, die Trainer wechselten, die Spieler waren überfordert, die Zuschauer waren es müde, nur Spiele gegen den Abstieg zu sehen.

"Jetzt haben wir eine Prägungsphase des Erfolgs hinter uns", sagt Vogl. An guten Tagen sitzen in Ried mehr Zuschauer als bei allen anderen Spielen der Red Zac Liga, im Schnitt mehr als 5000. Das Stadion gehört einer hundertprozentigen Tochter des Vereins. Macht Ried Gewinn? Vogl lacht. "In der Red Zac?"

Vogl ersetzte vor einem Jahr Trainer Andrzej Lesiak durch den Ex-Ried- und Ex-Austria-Coach Heinz Hochhauser. Hochhauser: "Ich habe alles umgedreht. Wir spielen Raumdeckung und ein sehr offensives 4-4-2. Das hat natürlich gedauert, bis es funktioniert hat." Mittlerweile ist Hochhauser, der "Experte für schwierige Fälle", wie er sich selber nennt, die unumstrittene Leitfigur. "Er ist ein exzellenter Fachmann", sagt Vogl, "eine Persönlichkeit, die unbedingt Erfolg will. Und er ist Heinz Hochhauser." Ein HTL-Professor, der drei Monate mit dem Rucksack durch Südamerika trampte und sich selber eine Ausbildung zum Mentaltrainer verordnete. Bei der Austria (bis 2001) wurde er verabschiedet, als er mit im Vergleich zu heute ärmlichem Personal nur einen Punkt hinter dem Führenden lag. Bei Pasching vertrat er den urlaubenden Georg Zellhofer exzellent. Den FC Kärnten trieb er auf den fünften Platz in der T-Mobile Liga, besser waren die vorher und nachher nicht.

Hochhauser hat in Ried Sanel Kulic zum besten Knipser der Liga gemacht. Der 27-Jährige hat turbulente Zeiten hinter sich. Sein geliebter Vater starb, er drohte sozial abzurutschen, bevor ihn Ex-Teamlibero Hannes Winklbauer beim Regionalligaverein SW Salzburg auffing und ihm eine Aufgabe gab: Tore schießen. Kulic führt mit 29 Toren die Schützenliste an, das 3:0 gegen Leoben vor einer Woche besorgte er alleine. Hochhauser: "Er braucht sich nur so zu bewegen, dass er im Strafraum an den Ball kommt. Dann ist er absolut tödlich."

Die Rieder liegen drei Runden vor Schluss fünf Punkte vor Kapfenberg und stehen vor dem Aufstieg. Absteiger FC Kärnten ist längst aus dem Rennen. Vogl: "Sofort wieder aufsteigen ist fast unmöglich, wennst zwei Schritte auf einmal machen willst, stolperst." Heute spielt Ried in Lustenau. Hochhauser: "Machen wir einen Punkt, schaut's gut aus."

Die Kooperation mit Austria und Magna (drei Kicker plus Sponsorvertrag) wird "regelkonform adaptiert", sagt Vogl. Denn Vereine derselben Liga wie (voraussichtlich) Ried und Austria dürfen keine Kooperation haben. Und das in Linz kolportierte Gerücht, Magna zahle pro Jahr 700.000 Euro an die Rieder? Vogl lacht wieder: "Was die in Linz alles wissen." Wie man mit einem Klub aufsteigt, offenbar nicht. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 20. Mai 2005, Johann Skocek)

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