Bäume gegen das Vergessen

23. März 2006, 13:01
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Fünf Grazer Gymnasien beschäftigten sich mit dem Gedenken an das Feliferhof-Massaker in den letzten Kriegstagen 1945

Graz - Der Gedenktag an das Massaker vom Grazer Schießplatz Feliferhof in den letzten Kriegsmonaten und -tagen 1945 erfuhr in diesem Jahr eine besondere Gestaltung. Schüler von fünf Grazer Gymnasien und Absolventen der Pädagogischen Akademie Hasnerplatz haben auf Initiative von Bundesheer, Landesschulrat und Liga für Menschenrechte die Gedenkstunde neu gestaltet. Schüler haben Bäume gepflanzt: Die früher dort stehenden Bäume, an denen Menschen erschossen wurden, waren von den Nazis beseitigt worden.

Intensive Beschäftigung

Die Gedenkstunde fand auf den Tag genau 60 Jahre nach dem Öffnen der Massengräber auf dem heutigen Schießplatz des Bundesheeres am westlichen Stadtrand von Graz statt. Schüler der Oberstufen der BG/BRG Oeverseegasse, Carnerigasse, Klusemannstraße, Korösistraße sowie des Musikgymnasiums Dreihackengasse und der Pädak Hasnerplatz hatten bereits vor Monaten mit den Vorbereitungen im Unterricht begonnen und sich intensiv mit dem Thema befasst. Das Resultat: Berührende Ansprachen ohne Pathos und einfache, ehrliche Wünsche, wie ein Schüler etwa beim Pflanzen eines Baumes sagte: "Ich wünsche dir, dass du nie Kugeln spürst." Ein anderer Schüler des BG Körösi meinte: "Den Bäumen keinen Krieg, den Menschen das Nachdenken."

"Ein freier Geist in einer freien Welt"

Stellvertretend für die 142 verscharrten Opfer des Mordens der Grazer Gestapo lasen Schüler die Namen, die Geburts- und Todestage und eine Kurzbiografie einiger der damals Getöteten vor und legten Blumen an dem Kreuz, das die Stelle des Massengrabes markiert, nieder. "Die älteren Schüler haben die Aufgabe übernommen, die jüngeren in ihren Gymnasien über die Ereignisse zu informieren", erklärte einer der jugendlichen Sprecher. Und: "Der einzige Schutz gegen Willkür ist ein freier Geist in einer freien Welt."

Gedenkstätte

"Hier an diesem Ort wie auch anderswo in unserem Land sind damals die Menschenrechte mit Füßen getreten worden", hatte der steirische Militärkommandant Generalmajor Heinrich Winkelmayer bereits zu anderer Gelegenheit erklärt. Der frühere Bundesheer-Oberst Manfred Oswald, der die Errichtung der Gedenkstätten am Feliferhof initiiert hatte, erklärte, dass die erste Gedenktafel an das Feliferhof-Massaker vor 23 Jahren aufgehängt worden sei. Rechtsextreme hätten die Tafel dann drei Jahre später, 1983, zerstört und in die Mur geworfen. Nunmehr aber sei die Tafel auf Initiative der Liga und des früheren steirischen Militärkommandanten in die örtliche Mitte der heutigen Übungsanlage von Heer, Exekutive und Zollwache gerückt worden. Tausende Rekruten und Uniformierte kämen dadurch mit dem Thema in Berührung. (APA)

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