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Er war ja wirklich am Ende, der Spittelberg. Damals, vor 30 Jahren, waren sie verkommen, die Häuser im Grätzel zwischen Volkstheater, Burggasse und Stiftskaserne. Leere Wohnungen, die höchstens kurzfristig an Gastarbeiter vergeben wurden und die Tristesse abbröckelnder Fassaden. Das Urteil: Weg damit.
Auf einmal aber regte sich Widerstand bei den paar letzten Einwohnern. Da wurde eine "IG Spittelberg" gegründet – von ein paar "Zuagrasten" und solchen, die gleich einmal als "Weltverbesserer" und "Utopisten" hingestellt wurden. Und dann noch, kurz vor dem Abriss: Eine Besetzung des Amerlinghauses.
Und siehe da: Die Stadtverwaltung lenkte ein, ließ sich zu einem Umdenken bewegen. Und anstelle der Abrissbirne wurde mit der Revitalisierung begonnen, bei der die Betroffenen einbezogen wurden. Das Ergebnis war eine dichte Gastronomielandschaft, eine Vielfalt an Galerien, Kunsthandwerkbetrieben und Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt mit den vermutlich besten Platzki der Stadt.
Sanft erneuert
Seither steht das Spittelbergerviertel als Symbol für die Erhaltung historischer Bausubstanz – und gilt neben dem "Planquadrat" von Margareten als einer der Kristallisationspunkte bei der Entwicklung der "sanften Stadterneuerung" in Wien.
Zum 30. Jahrestag der Spittelbergrettung wurde nun von Herbert und Karin Bednarik die Foto- und Videoausstellung "Gegen-denken" gestaltet, die vom 20. Mai bis zum 15. September in der Passage am Spittelberg Platzl gezeigt wird. Dokumente, die die Entwicklung vom "Ratzenstadl" der 70er bis heute begleiten.
Dazu am Freitag ein (20. 5.) ab 14.30 Uhr eine Führung durch die Innenhöfe des Spittelbergs (Treffpunkt: Bezirksmuseum Spittelberg/Amerlinghaus). Ab 19.30 Uhr der erste "Talk im Atrium" des Lux (Spittelberggasse 3): "Wie erleben Musliminnen Wien, wie erlebt Wien Musliminnen". Und ab 20 Uhr gleich daneben in der Weinstube: Stephan Paryla mit den "Spittelberg Liedern Hur & Moll".
Am Samstag dann ab 14 Uhr eine Führung zum Thema Stadterneuerung am Beispiel Spittelberg (Treffpunkt: Bezirksmuseum), ab 16.30 Uhr "Donnergott Frieslautenbach – musikalische Interventionen im öffentlichen Raum" und ab 19.30 Uhr die Diskussionsrunde "Zeitzeugen 30 Jahre Spittelberg" im Amerlinghaus. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Mai 2005)
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ein interview mit architekt ortner, das kürzlich zu lesen war. tenor: wien braucht mehr hochhäuser, denn nur dann kann "das neue mit dem alten kommunizieren". ortner will einen kranz aus hochhäusern rund um die innenstadt. klingt super.
nur gut, daß leute wie ortner nicht schon vor 30 jahren das sagen hatten, dann gäbs den spittelberg sicher nicht mehr. stattdessen betonklötze, die jetzt bereits wieder abrissreif wären.
man kann echt nicht soviel essen.....
Ein Wort zu den leeren Wohnungen vor 30 Jahren: Die Bewohner wurden um 1969/70 von der Baupolizei gekundigt, da es zu gefaehrlich sei, in den baufälligen Häusern wohnen zu bleiben. Kein Mieter wollte ausziehen, alle wären bereit gewesen, für Verbesserungen zu investieren. Das war keine Option. Es wurden auch keine Ersatzwohnungen angeboten, da die Kündigung ja nicht von der Eigentümerin - Gemeinde Wien - ausgesprochen wurde, sondern von der Baupolizei. Es war ein trauriger Exodus aus einem bis 1969 Grätzl mit dorfähnlichem Charakter, wo jeder jeden kannte...
sorry, das schloßquadrat liegt im 5. bezirk, und der heißt margareten (ok, vor vielen vielen jahren waren 4. und 5. ein bezirk, dann wurde geteilt: das großbürgertum in den vierten, das kleinbürgertum in den 5.9.
aber das ist nebensache.
fakt ist, die gemeine hat aus der spittelbergsanierung nichts gelernt: noch immer werden in großem maßstab grätzl geschliffen, um grindigen neubauten platz zu machen. anstelle zu revitalisieren.
ok, wenn man bei gleicher kubatur statt 5 stockwerken 8 oder neun machen kann, bringt das mehr profit. wird halt mit "benutzbaren grünflächen" argumentiert. unter diesen rasenlandschaften verbergen sich die tiefgaragen, ohne die ein neubau nunmal nicht sein kann. tolles wohnen??? sicher nicht!!
leider kommt es jetzt wieder zu schleifungen um gewinnbringende imoprojekte hochzuziehen. (siehe jetzt westbahnhof)
mir scheint unter häupl/schicker beginnt die ära der 70er wieder. In sachen Stilsicherheit können sie einiges von Zilk abschauen. (Schwarzenbergplatz, usw.)
schade daß zilk weg ist. Was er für wien geleistet hat, davon profitieren die Stadtväter heute noch.
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