Erstes Kohlekraftwerk ohne CO2-Ausstoß

27. Mai 2005, 12:19
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Kommerzieller Einsatz bis 2020 geplant - Problem der CO2-Speicherung noch ungelöst - Greenpeace reagiert kritisch

Berlin - Der deutsche Energiekonzern Vattenfall Europe AG hat den Bau einer Pilotanlage für das erste Kohlekraftwerk ohne Treibhausgasausstoß angekündigt. Die Anlage mit einer Leistung von 13 Megawattstunden werde 2008 in Betrieb gehen, sagte Aufsichtsratschef Lars Josefsson am Donnerstag in Berlin. "Das alles überlagernde Problem unserer Zeit ist der Klimawandel", sagte Josefsson.

Weltweit erste Anlage dieser Art

Die Industrie dürfe das Handeln nicht allein der Politik überlassen. Das im brandenburgischen Ort Schwarze Pumpe geplante Versuchskraftwerk könnte eine Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern versorgen. Die laut Vattenfall weltweit erste Anlage dieser Art wird 40 Millionen Euro kosten. Zwischen 2015 und 2020 rechnet der Konzern mit dem ersten kommerziellen Einsatz der neuen Technologie im Kraftwerksbau. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warf Vattenfall Täuschung vor.

Problem der CO2-Speicherung noch ungelöst

Bei dem Oxyfuel genannten Verfahren werde das Treibhausgas CO2 bei der Verbrennung der Braunkohle abgespalten, teilte Vattenfall mit. Dabei werde statt der stark stickstoffhaltigen Luft reiner Sauerstoff und Rauchgas zusammen mit der Kohle in die Brennkammern geleitet. Am Ende des Prozesses bleibe nahezu reines CO2 übrig. Unter Druck werde das Treibhausgas verflüssigt und könne per Schiff, Tankwagen oder Pipeline zu einer Endlagerstelle transportiert werden. Als Lagerstätte kämen ausgeschöpfte Öl- und Gaslagerstätten in Frage. Allerdings sei die Frage der Speicherung noch ungelöst, räumte Vattenfall-Vorstandschef Klaus Rauscher ein.

Die Höhe der Entwicklungskosten für das Kraftwerk sei noch nicht abzuschätzen, sagte Josefsson. Derzeit geht das Unternehmen von bis zu 60 Prozent höheren Baukosten als bei herkömmlichen Anlagen aus. Josefsson forderte eine weltweite Ausdehnung des Handels mit Emissionsrechten nach europäischem Vorbild. Ab einem Preis von 20 Euro pro Tonne ausgeschiedenem CO2 lohne sich dann der Einsatz solcher Anlagen für die Industrie. Derzeit wird diese Menge für gut 16 Euro gehandelt. Angesichts des weltweiten Klimawandels müssten die Industrieländer bis zum Ende des Jahrhunderts 80 bis 90 Prozent ihrer heutigen Emissionen einsparen, begründete Josefsson die Erwartung steigender Preise für die Emissionsrechte.

Greenpeace reagiert kritisch

Greenpeace erklärte, es gebe keine CO2-freie Kohlekraftwerke. Vattenfall wolle das Treibhausgas im Untergrund verpressen. Von dort könne es aber irgendwann zurück an die Oberfläche gelangen und die Erde weiter aufheizen. Statt weiter auf Kohleverstromung zu setzen, solle Vattenfall wie in seinem Heimatland Schweden in erneuerbare Energien investieren, forderte Greenpeace. (APA/Reuters)

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    Statt das CO2 in die Atmosphäre zu blasen, will Vattenfall mit dem neuen Kraftwers-Konzept das Treibhausgas sammeln und endlagern.

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