Verdacht auf unzulässige Fonds-Absprachen bei Deutscher Börse

27. Mai 2005, 17:34
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Widerstand gegen Börsenübernahme könnte für Hedgefonds teuer werden - Finanzaufsichtsbörse BaFin kündigt Untersuchung an

Frankfurt/Bonn - Knapp zwei Wochen nach dem Sturz des Deutsche Börse-Chefs Werner Seifert hat sich der Verdacht einer unzulässigen Absprache kritischer Großaktionäre erhärtet. Es gebe Anhaltspunkte, dass die spekulativen Hedge-Fonds, die Seifert zum Rückzug zwangen, abgestimmt handelten, teilte die Finanzaufsicht BaFin am Donnerstag in Bonn mit.

"Denen gehen wir jetzt auf den Grund", sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio. Die Fonds unter Führung des britischen TCI hatten bereits Anfang März die von der Deutschen Börse betriebene Übernahme der Londoner Börse (London Stock Exchange/LSE) verhindert.

Auch Aufsichtsratschef soll abdanken

Die Deutsche Börse AG wollte die BaFin-Untersuchung nicht kommentieren. Doch am Finanzplatz Frankfurt mehrten sich Zweifel an den von den Fonds bekundeten langfristigen Absichten an dem DAX-Unternehmen. Nach der harschen öffentlichen Kritik und den vermehrten Forderungen nach mehr Kontrolle sehen Branchenkenner die Hedge-Fonds in die Enge getrieben. Allerdings halten die Fonds für die Hauptversammlung der Börse am nächsten Mittwoch (25. Mai) an ihrem Vorhaben fest, nach Seifert auch Aufsichtsratschef Rolf Breuer vorzeitig aus dem Amt zu jagen.

Die BaFin versucht nun zu klären, ob die Hedgefonds zusammen mehr als 30 Prozent an der Deutschen Börse AG hielten und gemeinsam agierten. In diesem Fall wären sie gesetzlich verpflichtet gewesen, anderen Eigentümern ein öffentliches Angebot zum Erwerb ihrer Aktien zu machen. Laut BaFin-Chef Sanio wäre ein solches Übernahmeangebot auch im Nachhinein noch zwingend. "Wenn sie da drin sind, kommen sie nicht mehr raus", sagte Sanio. Auch wenn in der Zwischenzeit Anteile verkauft worden seien, wäre noch ein Angebot abzugeben. Minderheitsaktionären könnten nach Angaben Sanios auf Schadenersatz für entgangene Zinsen klagen.

BaFin fordert schriftliche Stellungnahme

David Slager, Europa-Direktor des US-Hedge-Fonds Atticus Capital, der neben TCI zu den schärfsten Kritikern der bisherigen Deutsche-Börse-Führung zählte, räumte in der "Wirtschaftswoche" ein: "Wenn wir uns mit den traditionellen Aktionären nicht einig gewesen wären, wäre das alles nicht passiert." Die in Verdacht geratenen Fonds wurden von der BaFin schriftlich um Stellungnahme gebeten. Die Beweispflicht liegt jedoch bei der Bonner Behörde.

Am 27. April hatte nach Angaben Sanios ein Minderheitsaktionär vor dem Münchner Oberlandesgericht Recht bekommen, der gegen zwei andere Aktionäre geklagt hatte, die nach Erreichen des 30-Prozent-Anteils kein Übernahmeangebot vorgelegt hatten. Das Urteil sei zwar noch nicht rechtskräftig, aber die BaFin werde sich daran orientieren. (APA/dpa)

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