Rotes Kreuz: Guantanamo-Gefangene beklagten Respektlosigkeit vor Koran

25. Mai 2005, 10:51
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Die US-Behörden wurden unterrichtet, dass amerikanische Militärangehörige den Koran verunglimpft hätten

Genf - Islamische Gefangene der USA in Guantánamo auf Kuba haben sich beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) über einen respektlosen Umgang mit dem Koran in dem US-Militärgefängnis beklagt. IKRK-Sprecher Vincent Lusser sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Genf, dabei handle es sich um Begebenheiten aus der Zeit "um 2003". Das IKRK spricht von Gefangenenberichten, in denen von einer "Respektlosigkeit vor dem Koran" die Rede gewesen sei. Lusser sagte, er könne dies nicht näher erläutern.

Ausdrücklich wollte sich der Sprecher nicht zu einem inzwischen von der Redaktion zurückgezogenen Artikel des US-Nachrichtenmagazins "Newsweek" äußern, in dem über eine Schändung des Korans durch US-Ermittler in Guantánamo berichtet worden war. "Dieses Thema wurde uns damals von Gefangenen mitgeteilt, wir haben nicht gezielt danach gefragt", sagte Lusser. "Wir haben dies dann an die US-Behörden weitergegeben." Bei späteren Gefangenenbesuchen habe das IKRK den Eindruck gewonnen, dass diese Vorfälle "korrigiert" worden seien.

Respektlosigkeit

Nach internationalem Recht kann das IKRK weltweit regelmäßig Gefangenenlager besuchen. Über seine Erkenntnisse informiert die neutrale Organisation in der Regel nicht die Öffentlichkeit, sondern zumeist nur das Land, das die Aufsicht über das besuchte Lager führt. Das IKRK habe diese Berichte jetzt auch nur auf Grund zahlreicher Medienanfragen und nach ähnlichen Erklärungen der US-Regierung erwähnt, sagte Lusser.

In Guantánamo sind noch immer rund 550 Personen unbefristet und ohne Anklage oder Gerichtsprozess inhaftiert, einige von ihnen seit über drei Jahren. Die Gefangenen werden terroristischer Aktivitäten verdächtigt. Die meisten von ihnen wurden im Afghanistan-Krieg festgenommen. Mehrere haben versucht, sich das Leben zu nehmen.

Der britische Kronanwalt Lord Peter Goldsmith hatte den USA wegen der Behandlung der Guantánamo-Häftlinge vorgeworfen, gegen elementare Grundsätze des Rechtsstaates zu verstoßen. Bei der Bekämpfung des Terrors gehe es schließlich um die Verteidigung demokratischer Grundwerte. Die Unschuldsvermutung, der Anspruch auf einen fairen Prozess und das Folterverbot hätten absoluten Vorrang, betonte der Lord.

Der frühere Menschenrechts-Beauftragte des anglikanischen Primas und Erzbischofs von Canterbury, Terry Waite, hatte den USA menschenunwürdige Behandlung der Gefangenen vorgeworfen. "Ich weiß, was Rechtlosigkeit heißt", hatte Waite gesagt, der von 1987 bis 1991 von einer islamisch-fundamentalischen Gruppe im Libanon festgehalten worden war. Guantánamo-Häftlinge seien angekettet und in Käfige gesperrt. So etwas dürfe sich eine "zivilisierte Nation" nicht leisten. Der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete ehemalige US-Präsident Jimmy Carter hatte in einem Beitrag für die "Washington Post" über Guantánamo geschrieben: "All das passt zu Unrechtsstaaten, die von amerikanischen Präsidenten in der Vergangenheit immer verurteilt worden sind." (APA/dpa)

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