IHS: Infrastrukturpaket bringt 7500 Jobs bis 2006

19. Mai 2005, 18:47
4 Postings

Initiative bleibt allerdings "Tropfen auf den heißen Stein"

Wien - Das am 1. Mai beim Arbeitsmarkt-Gipfel beschlossene Infrastruktur- und Forschungs-Paket wird nach Einschätzung des Instituts für höhere Studien (IHS) 7.500 neue Jobs bis Ende 2006 bringen.

Die Regierung will 2005/06 zusätzliche 300 Mio. Euro in die Infrastruktur und 225 Mio. Euro in die Forschung investieren. Dadurch sollen nun heuer und im kommenden Jahr 6.000 Arbeitsplätze im Bau entstehen, 1.000 direkt in der Forschung und 500 in weiterer Folge im Bereich der sonstigen Beschäftigten.

Diese Zahlen hat IHS-Chef Bernhard Felderer am Donnerstag bei einem neuerlichen Arbeitsmarkt-Gipfel der Regierung vorgelegt.

"Tropfen auf den heißen Stein"

Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) gestand am Donnerstag ein, dass dies nur "ein Tropfen auf den heißen Stein" sei. Aber: "Auch steter Tropfen höhlt den Stein", meinte Gorbach.

Tatsächlich wird die Arbeitslosenquote, die laut Wifo heuer im Jahresdurchschnitt 7,1 Prozent betragen wird, durch die 7.500 neuen Jobs kaum beeinflusst werden. Derzeit sind in Österreich knapp 300.000 Menschen arbeitslos.

Weil das Arbeitskräfteangebot weiter zunehmen dürfte als die Beschäftigung, ist laut der gestern veröffentlichten Wifo-Prognose trotz Konjunkturbelebung und Zusatzinvestitionen bis 2009 mit keiner Verbesserung der Arbeitslosenquote zu rechnen.

Vorgezogene Projekte

Durch die Beschlüsse von Anfang Mai sollen außerbudgetär sowohl im Straßen- und Bahnausbau baureife Projekte im Ausmaß von jeweils 150 Mio. Euro um zwei bis drei Jahre vorgezogen werden. ÖBB und Asfinag haben am Donnerstag eine Liste von knapp 150 konkreten Kleinprojekten für die Schiene und 20 Vorhaben für den Autobahn- und Schnellstraßenbau vorgelegt.

Laut IHS wird dadurch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent erhöht und die heimische Wirtschaftsleistung somit um 480 Mio. Euro gesteigert. Entgegen anderer Aussagen sind nach Meinung des IHS die Kapazitäten in der Bauwirtschaft durchaus vorhanden. Auch große Firmen wie Strabag und Porr seien an relativ kleinen Baulosen interessiert.

Forschungsoffensive

In die Forschung will die Regierung direkt über das dritte "Offensivprogramm" heuer 50 und im nächsten 75 Mio. Euro investieren. Jährlich weitere 50 Mio. Euro sollen aus der Ausweitung der Forschungsförderung auf Auftragsprojekte kommen.

Die Forschungsförderungsquote wird dadurch laut IHS heuer von 2,28 auf 2,39 Prozent des BIP erhöht. 2006 soll die angepeilte 2,5 Prozent-Marke übertroffen werden.

Ob das allerdings auch tatsächlich die erhofften zusätzlichen Jobs bringen wird, ist laut Felderer fraglich. Der Forscher-Markt sei "extrem ausgetrocknet". Daher sei noch unklar, wo die zusätzlichen Forscher herkommen sollen.

Forschungsstaatssekretär Eduard Mainoni (B) hat am Donnerstag eine Offensive im Bereich Fachhochschulen angekündigt. Gelingt es nicht, kurzfristig mehr Forscher aufzustellen, würden zumindest die ohnehin niedrigen Löhne in der Forschung steigen, meinte Felderer. (APA)

Link

IHS
Share if you care.