Schumi in der Krise ganz locker

22. Mai 2005, 16:04
1 Posting

"Habe mich nie unantastbar gefühlt" - 150. Grand Prix für Ferrari - Zum Kampf um den WM-Titel: "Ich habe noch nicht aufgegeben."

Monte Carlo - In seiner größten sportlichen Krise gibt sich Michael Schumacher so locker wie lange nicht mehr. "Ich habe mich nie unantastbar gefühlt, deshalb nimmt mich das nicht allzusehr mit", sagte der Rekordweltmeister vor dem Formel-1-Klassiker am Sonntag in Monaco.

Ältester Pilot im Feld

Der Ferrari-Star, mit 36 Jahren der älteste Fahrer im Feld, scheint die neue Herausforderung angenommen und sogar Spaß daran gefunden zu haben. Sein 150. Grand-Prix für den Ferrari-Rennstall soll den ersten Saisonsieg und damit die Wende bringen. "Es ist schwierig, aber nicht unmöglich. Ich fahre noch um den Titel mit", sagte er.

218 Formel-1-Rennen hat Schumacher seit seinem Debüt 1991 in Spa bestritten. 83 Grand Prix' hat er gewonnen, allein 13 im vergangenen Jahr. Seinen siebenten WM-Titel, der fünfte in Serie für Ferrari, holte er einmal mehr im Eiltempo. Da ist es für viele schwer zu verstehen, dass die Überlegenheit der Italiener so schnell verloren ging. Doch für Schumacher ist das die Normalität. Schon in seiner Glanzzeit hatte er immer wieder prophezeit: "In der Formel 1 kann sich alles ganz schnell drehen."

Eine schwierige Sitaution

Die Konkurrenz hat bei der Entwicklung Vollgas gegeben, die neuen Regeln haben den Champion und sein Team ausgebremst. Vor allem Renault und nun auch McLaren-Mercedes sind dank der Michelin-Reifen an den mit Bridgestone-Pneus fahrenden Ferraris vorbeigezogen. "Ich wusste, was kommt, nun haben wir die schwierige Situation", sagte Schumacher. Vor allem der Reifen scheint ihn - nicht nur wegen der beiden Platten beim letzten Rennen in Barcelona - zu stoppen.

34 Punkte Rückstand hat der Deutsche in der Fahrerwertung auf den spanischen WM-Spitzenreiter Fernando Alonso im Renault. "Es gibt noch 140 Punkte", rechnete Schumacher im Fürstentum vor und schmunzelte dabei. Bis theoretisch nichts mehr möglich ist, will er weiterkämpfen:

Dem Bruder fehlt der Glaube

"Die WM wird sicherlich nicht in Monaco entschieden, aber dass mein Bruder es nicht wird, ist schon klar", sagte Ralf Schumacher. Der Toyota-Pilot setzte sich einmal mehr an die Spitze der immer größer werdenden Schar derer, die dem Rekordweltmeister keine Chance mehr im Titelrennen geben.

Für Renault-Teamchef Flavio Briatore, der Schumacher 1994 und 1995 im Benetton zu den ersten beiden WM-Titeln führte, ist es genau diese Herausforderung, die Schumacher einen Kick geben könnte. "Ich bin sicher, dass er diese Saison mehr genießt als die letzte, denn Michael ist ein Kämpfer - und Kämpfer brauchen Gegner. Letztes Jahr hatte er keine", relativierte der Italiener ein wenig seine harschen Aussagen. Briatore hatte u.a. gesagt, Schumacher sei "zu alt".

Glücklicher Champion

In der Tat wirkt Schumacher trotz der Misere glücklich und ausgeglichen. Dabei vergeht kaum ein Rennen, an dem nicht über seine Zukunft spekuliert wird. "Es ist jedes Wochenende die selbe Frage, ob ich mich zur Ruhe setze oder meinen Vertrag verlängere. Ich habe weder das eine noch das andere getan", sagte der erfolgreichste Rennfahrer in der bisherigen Formel-1-Geschichte. Der Vertrag des Multimillionäres bei Ferrari läuft bis 2006 - er kann bleiben und fahren, so lange er will.

"Michaels Motivation ist ungebrochen. Schon in Monaco traue ich ihm den Sieg zu", sagte Ex-Weltmeister Niki Lauda. Der Österreicher, der Schumacher im Titelrennen ebenfalls schon abgeschrieben hat, war 1975 noch Weltmeister geworden, obwohl er erst beim Großen Preis von Monaco den ersten Saisonsieg gefeiert hatte - damals im Ferrari. Der fünfmalige Monte-Carlo-Gewinner Schumacher will ein ähnliches Kunststück schaffen. "Wir müssen zusammenstehen und zur alten Form zurückfinden." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Michael Schumacher auch in der Misere bei den Fans gefragt.

Share if you care.