Simbabwe: Journalist wird "Writer in Exile"

27. Mai 2005, 14:16
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Mitbegründer der von der Regierung geschlossenen "Daily News" will von Graz aus über Situation seines Landes berichten

Graz - In Simbabwe gäbe es für den 36-jährigen Kulturjournalisten Maxwell Sibanda zwar viel Arbeit - von Regierungsseite wird dies aber nicht gewollt. Der Redakteur, der bis zur gewaltsamen Schließung der unabhängigen Tageszeitung "Daily News" in der Hauptstadt Harare tätig war, hat nun als neuer "Writer in Exile" in Graz Zuflucht gefunden. Nun will er mit dem Blick von außen über die Situation in seiner Heimat berichten.

Zuerst gab es Demonstrationen vor dem Verlagsgebäude, dann Bombenanschläge in der Redaktion und zuletzt folgte die gewaltsame Schließung der von Sibanda im Jahr 1999 mitbegründeten "Daily News". Die Verlagsmanager und die Herausgeber wurden verhaftet, Sibanda und seine Kollegen aus der Redaktion gejagt, weil die Zeitung nach dem seit 2002 geltenden Pressegesetz illegal arbeitete. Demnach muss sich jeder Journalist bei der staatlichen Medienkommission registrieren lassen, was die Eigentümer und Journalisten der Zeitung ablehnten.

"Trauriger Höhepunkt"

Reporter ohne Grenzen und Amnesty International werteten damals die Schließung der "Daily News" als traurigen Höhepunkt einer gegen die kritische Presse gerichteten Kampagne der Regierung von Präsident Robert Mugabe. Auf Vorschlag der "Reporter ohne Grenzen" wurde Sibanda danach für rund ein Jahr in das Stipendiatenprogramm der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte aufgenommen. Über die deutsche Organisation ist der Journalist nun nach Graz gekommen.

"Eigene Kommissionen lesen und zensurieren die Arbeiten der Journalisten", schilderte Sibanda am Donnerstag in Graz die aktuelle Mediensituation in Simbawe. Nachdem die "Daily News" geschlossen worden sei und Radio- und Fernsehsender vom Regime Mugabes kontrolliert würden, verblieben derzeit lediglich Radiosender, die vom Ausland (Südafrika, Großbritannien und Holland) Nachrichten für Simbabwe senden.

Einschüchterung

Amnesty International wirft dem autokratisch regierenden Präsidenten Robert Mugabe Einschüchterung und willkürliche Verhaftungen von Anhängern der Opposition vor. Eine umstrittene Landreform und ein brutales Vorgehen gegen Kritiker stürzten Simbabwe in eine politische und wirtschaftliche Krise und die internationale Isolation: Für Mugabe besteht ein Einreiseverbot in die EU. Bei einer von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl Ende März errang die Partei des 81-jährigen Präsidenten nach offiziellen Angaben eine Zwei-Drittel-Mehrheit. (APA)

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