Justiz ermittelt in Pflegeheim

25. Mai 2005, 20:30
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Pflegeombudsmann Vogt erhebt schwere Vorwürfe - Zuständige Stadträtin und Heim weisen Kritik zurück

Pflegeombudsmann Vogt erhebt in einer Sachverhaltsdarstellung schwere Vorwürfe gegen ein privates Pflegeheim in Wien. Die Grünen fordern eine Aufklärung der Missstände, die zuständige Stadträtin und das betroffene Heim weisen die Kritik als unbegründet zurück.

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Wien – Ein Patient sei qualvoll erstickt, weil dessen Lungenentzündung nicht erkannt und er weiterhin oral ernährt worden sei. Der Tod eines anderen Heimbewohners sei erst 48 Stunden später bemerkt worden. Und eine Patientin mit einem Oberschenkelhalsbruch sei erst nach Tagen ins Krankenhaus überstellt worden. Sigrid Pilz, Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, machte am Donnerstag eine Sachverhaltsdarstellung des (von der früheren Gesundheitsstadträtin Pittermann bestellten) Pflegeombudsmannes Werner Vogt publik. Darin werden gravierende Vorwürfe gegen ein privates Heim in Meidling erhoben.

Die Sachverhaltsdarstellung, die auf Beschwerden von Heimbewohnern und anderen betroffenen Personen beruht, führt außerdem Personalmangel, unzureichende Ausstattung mit Medikamenten, Verbandsmaterial und technischen Geräten an. Insulingaben seien mangels Teststreifen nach Schätzung verabreicht worden sein, einzelne Patienten hätten über Monate keine Dusche erhalten.

Verfahren zur Überprüfung der Vorwürfe läuft

Der Bericht wurde bereits im März von Vogt der Staatsanwaltschaft übermittelt, ein Verfahren zur Überprüfung der Vorwürfe – die bis zum Verdacht auf fahrlässige Tötung reichen – läuft bereits.

Peter Edelmayer, Geschäftsführer des Pflegeheimes, weist die Kritik als "nicht nachvollziehbar" zurück, die Sachverhaltsdarstellung sei "unkonkret" und beziehe sich auf "jahrelang zurückliegende Vorfälle". Die angeführten Fälle seien klar widerlegbar.

Pilz wirft Gesundheitsstadträtin Brauner vor, trotz wiederholter Kontrollen durch die MA 15, welche schon vor Vogts Kritik eklatante Missstände ans Licht gebracht hätten, keine Sperre des Heimes veranlasst zu haben: "Die Stadträtin muss ihre Verantwortung auch für private, gewinnorientierte Pflegeeinrichtungen wahrnehmen. Nur Beamten vorbeizuschicken reicht nicht aus. Das ist für mich Wegschauen."

"Kein neuer Pflegeskandal"

Aus dem Stadtratsbüro heißt es, dass das betreffende Heim ständig und unangemeldet kontrolliert werde. "Hier liegt kein neuer Pflegeskandal vor. Nach der Feststellung von Mängeln wurden sofort Auflagen erteilt, im Jahr 2003 wurde aufgrund fehlenden Personals sogar eine Teilschließung angeordnet." Pilz spricht dennoch von einer Überbelegung des Heims und sieht nicht ein, dass pflegebedürftige Menschen, die viel Geld bezahlen, nicht ausreichend betreut würden. Die öffentliche Hand müsse die Patienten in den Mittelpunkt stellen und für gute Pflegeangebote sorgen: "Entweder Lainz oder ein privates Heim, das ist zu wenig."

Die Grünen fordern nun von Brauner einen genauen Bericht über die Kontrollen. (kri, DER STANDARD – Printausgabe, 20. Mai 2005)

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