Austria kommt nicht zur Ruhe

30. Mai 2005, 14:42
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Trotz Einzug ins Cup­finale und Fixplatz im Europacup skandierten Fans Anti-Magna- Parolen im Horr - Konflikt um Finaltermin droht

Wien - Der österreichische Fußball-Cup sieht am 1. Juni, sofern der Termin am Freitag bei einer Sitzung im ÖFB (10:00 Uhr) bestätigt wird, das Traumfinale Rapid Wien gegen Austria Magna. Beide Klubs haben sich im Halbfinale souverän durchgesetzt, die Stimmung in den beiden Stadien hätte aber unterschiedlicher nicht sein können. So euphorisch und von großer Fanbegeisterung getragen der Meister aus Hütteldorf am Dienstag in das Endspiel einzog, so trostlos war die Kulisse am Mittwoch beim 3:0-Heimerfolg der Violetten über Kärnten.

Hoffnung auf einen Titel

Was unterm Strich aber rauskam, ist die Hoffnung von Austria Wien, die Saison nicht ohne Titel zu beenden. Und dass sich die Veilchen nun fix für einen internationalen Bewerb qualifiziert haben. "Wir haben harte Wochen und Monate hinter uns. Wir wollen in der Meisterschaft Zweiter werden und den Cuptitel holen. Das Highlight ist das Cupfinale", wünscht sich Kapitän Ernst Dospel ein würdiges Saisonende.

2.500 Zuschauer hatten sich in das Horr-Stadion verirrt, und man fragte sich, was störender war. Der strömende Regen und der eiskalte Wind, oder doch die fast pausenlosen, nur vom Torjubel unterbrochenen und mit Transparenten optisch aufbereiteten Anti-Sponsor-Skandierungen, von denen "Magna raus!" noch die harmloseste war. Mäzen Frank Stronach wurde in Abwesenheit aufgefordert "Kauf dir Pferde, lass uns doch in Ruh", und nachdrücklicher: "... du sollst dich schleichen zu deinen Pferden, du bist kein Veilchen."

Miese Stimmung im Stadion

Die Elf ließ sich dadurch nicht beirren, erzielte drei Treffer, spielte 70 Minuten bemüht und ließ erst im Finish die Kärntner aufkommen. Austria-Sportchef Peter Stöger: "Da haben wir die Ordnung verloren."

Freilich missfiel Stöger auch die Stimmung im Stadion, er merkte aber an: "Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie, wo jeder seine Meinung sagen kann. Schade für die Mannschaft, die sich aber nicht anstecken hat lassen. Sie hat gewonnen und hätte sich etwas anderes verdient. Es war aber nicht gegen die Mannschaft gerichtet." Einen Appell sprach auch Manager Markus Kraetschmer aus: "Es wäre vernünftiger, die Mannschaft anzufeuern. Die Reaktion anderer Austria-Fans hat gezeigt, dass das nicht die Meinung aller ist."

Terminkollision mit WM-Qualifikation

Das war nicht das einzige Thema, dass die Austrianer am Mittwochabend beschäftigte. Der Final-Spieltermin 1. Juni (20:15 Uhr) liegt Stöger schwer im Magen, da die Legionäre mit diesem Tag von ihren Nationalteams für die WM-Qualifikation einberufen werden und die Verletztenliste bei den Favoritnern groß ist.

"Ich werde Schöttel und Hickersberger anrufen, eine Verlegung der Partie auf 31. Mai wäre im Sinne des Fußballs. Wenn ein Gentlemen Agreement gilt, dann ist das mit diesen Herren sicher möglich. Wenn nicht, dann werden wir versuchen mit denen, die wir haben, die besten Formation zu finde, aber Alternativen fehlen", so Stöger nach Matchende. "Ich hoffe, dass wir Rapid schlagen und die Saison positiv beenden können, damit sie ein bissl friedlich ausklingt."

Hicke droht mit Rücktritt

Rapid-Trainer Josef Hickersberger lehnt eine Terminverlegung ab, gegenüber der APA hatte er gemeint: "Beide Mannschaften haben ein unglaubliches Programm in Frühjahr absolviert, fast nur englische Wochen gespielt. Da muss ich einfach auf die Verletzungsgefahr und die Gesundheit der Spieler Rücksicht nehmen. Aus diesem Grund kann ich einer Vorverlegung auf Dienstag nie zustimmen. Wenn Rapid das will, bin ich einen Tag vor dem Cup-Finale weg." Rapid spielt nach dem Wiener Derby am Donnerstag dann am Sonntag beim GAK, die Austria zu Hause gegen Admira.

"Es laufen Gespräche mit dem slowakischen und ungarischen Verband wegen Hlinka, Valachovic und Korsos. Aber ich habe vollstes Verständnis, wenn der slowakische Teamchef unsere Spieler nicht freistellt. Das sind erfahrene Spieler, und die Slowakei hat eine historische Chance, sich für WM zu qualifizieren", sagte Hickersberger.

Austria appeliert ans Fair Play

Bei Austria Magna hofft man in der Cup-Besprechung im ÖFB am Freitag um 10:00 Uhr, noch ein Umdenken und eine Spielverlegung zu erreichen: "Im Sinne des Fair Play, man darf nicht vergessen, dass wir auch internationale Spiele bestritten haben. Wir bemühen uns um einen Dienstagabendtermin, aber auch um individuelle Lösungen. Es geht um sechs Legionäre, die wir abstellen müssten", so Kraetschmer. Die Austria hat Kontakt mit den nationalen Verbänden von Kroatien (Didulica), Polen (Mila), Tschechien (Sionko), Norwegen (Rushfeldt), Bosnien-Herzegowina (Papac) und Belgien (Dheedene) aufgenommen. (APA)

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    Unzufriedene Fans auf der Südtribüne fordern den Sponsor zum Abgang auf.

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