Wider das Verdrängen und Vergessen

19. Mai 2005, 11:20
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"kinokis" elf Film- und Diskussionsmodule gegen die Gedankenlosigkeit des Jubiläumsjahres

Während das österreichische Mainstream-Kino nach 1945 den Opfermythos bebilderte und eine heimatliche Traumwelt projizierte, sind in Österreich nur wenige Filme über Opfer und Täter des Nationalsozialismus, über die nur exemplarisch stattgehabte Entnazifizierung, über die Kontinuität der NS-Eliten entstanden. Die Erzählungen der der Shoah entkommenen Jüdinnen und Juden, der überlebenden Sinti und Roma, der "Displaced Persons", der ZwangsarbeiterInnen, der PartisanInnen und WiderstandskämpferInnen wurden weitgehend zum Verschwinden gebracht. Nicht ein großer Film über Mauthausen, keine Spielfilme über das "Euthanasie" genannte PatientInnenmordprogramm, keine HeldInnenfilme über die WiderstandskämpferInnen.

kinoki, Verein für audiovisuelle Selbstbestimmung, hat 11 Film- und Diskussionsmodule zum "Gedankenjahr" 2005 zusammengestellt, die sich auf Themen und Bilder konzentrieren, die nicht in die offizielle Geschichtsschreibung und in das audiovisuelle Gedächtnis der Republik eingegangen sind. Die Programme möchten exemplarisch einige dieser Lücken thematisieren und vor allem Filme präsentieren, die in den letzten Jahren wider das Vergessen und Verdrängen entstanden sind. ReferentInnen – teils die FilmemacherInnen selbst, teils ZeitzeugInnen, ZeithistorikerInnen und KulturvermittlerInnen – stehen zur Verfügung, um die Filme zu kommentieren und Diskussionen in Gang zu bringen.

Veranstaltungsmodule im einzelnen

  • Modul 1 über die Differenz von Täter- und Opferperspektive.
    "Das wirst du nie verstehen" von Anja Salomonowitz, A 2003.

  • Modul 2 über die Perspektive von nach England geflohenen Frauen und deren Töchtern.
    "things.places.years." von Klub Zwei, A/GB 2004.

  • Modul 3 über die Bebilderung desösterreichischen Opfermythos nach 1945.
    "1. April 2000" von W. Liebeneiner,A 1952 (Ausschnitte); u.a.

  • Modul 4 über die propagandistische Inszenierung des KZ Theresienstadt.
    "Kurt Gerron - Gefangen im Paradies" von Malcolm Clarke und Stuart Sender, USA/CDN/D/GB 2003

  • Modul 5 über die SlowenInnen in Kärnten und die historischen Wurzeln des "Ortstafelstreits".
    "Artikel 7 – Unser Recht!" von Eva Simmler und Thomas Korschil, A/SLO 2005.

  • Modul 6 über die filmische Aufklärung der Alliierten über die Shoah.
    Kurzfilme der Alliierten aus den Jahren 1945-47 über die Befreiung der NS-Konzentrationslager.

  • Modul 7 über die Verbrechen der Wehrmacht und deren Leugnung.
    "Jenseits des Krieges" von Ruth Beckermann, A 1996.

  • Modul 8 über den verdrängten Kampf der Kärntner PartisanInnen.
    "Andri 1924-1944" von Andrina Mracnikar, A 2003; u. a.

  • Modul 9 über den Massenmord an den Zigeunern und den heutigen Anti-Ziganismus.
    "Eine lästige Gesellschaft" von Claudia Fischer und Marika Schmiedt, A 2004.

  • Modul 10 über die Euthanasie, die Definition und Vernichtung von "unwertem" Leben.
    "Spiegelgrund" von Angelika Schuster und Tristan Sindelgruber, A 2000.

  • Modul 11 über Frauen, die das KZ Ravensbrück überlebten.
    "Vom Leben und Überleben" von Bernadette Dewald, Gerda Klingenböck, VideoArchiv Ravensbrück, A 2003. (red)
  • Links
    kinoki - Verein für audiovisuelle Selbstbestimmung/ Module
    Gumpendorfer Str. 63B, 1060 Wien
    E-Mail

    Österreich 2005 - Das Vorsorge-Paket gegen ein Jahr Heimat-Feiern
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