Format: Mobilkom hat serbische Mobtel fast in der Tasche

27. Mai 2005, 13:30
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TA-Mobilfunktochter dementiert Bericht - Mobilkom erwartet Ausschreibung - Schlaff hat laut "Format" rund 350 bis 400 Mio. Euro für BK Trade bezahlt

Die Telekom Austria ist mit ihrer Mobilfunktochter Mobilkom Austria in der geplanten Übernahme des serbischen Handynetzbetreibers Mobtel schon weiter als bisher angenommen, berichtet das "Format" in seiner morgigen Ausgabe. Der Bericht wurde von einer Sprecherin der Mobilkom Austria allerdings gegenüber der APA dementiert.

regulär

Man habe die Mobtel noch nicht in der Tasche, sondern werde sich dem Bewerbungsprozess regulär stellen, sagte Mobilkom-Sprecherin Elisabeth Mattes am Donnerstag zur APA. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei mit einer Ausschreibung für den Verkauf des Mobtel-Staatsanteils zu rechnen, die von einem von der Regierung beauftragten Berater gesteuert und kontrolliert werden soll. Man sei erst in Gesprächen mit der serbischen Regierung, noch nicht aber in offiziellen Verhandlungen, betont die Mobilkom.

Kein Kommentar

Zwischen den Mobtel-Eigentümern Boboljub Karic und dem serbischen Staat hatten gegenseitige Vorkaufsrechte bestanden. Nach der Übernahme des Karic-Anteils durch eine Gruppe um den Wiener Unternehmer Martin Schlaff, die in den kommenden Wochen finalisiert werden soll, besitze dieser nun die Vorkaufsrechte, heißt es in mit dem Deal vertrauten Kreisen. Schlaff werde auf sein Vorkaufsrecht verzichten - aber nur, wenn der Staatsanteil an die Mobilkom und nicht an einen anderen Mitbewerber gehe. Sollte der Staatsanteil nicht an die Mobilkom gehen, werde Schlaff von dem Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Die Mobilkom-Sprecherin wollte zu diesen Details auf APA-Anfrage keinen Kommentar abgeben.

Das Vorkaufsrecht der Serben wiederum hatte Schlaff umgangen, indem er von Karic nicht die Mobtel-Aktien, sondern dessen in Russland registrierte Holding BK Trade, die Eigentümerin des Aktienpakets, gekauft hatte. Die Industriellen Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt hätten dafür - unter Mithilfe der Citigroup bei der Finanzierung - zwischen 350 und 400 Mio. Euro bezahlt, berichtet "Format" weiter.

Derzeit ist unklar, ob im Augenblick der serbische Staat oder das österreichische Konsortium um die Industriellen Martin Schlaff, Josef Taus und Herbert Cordt die Mehrheit an der Mobtel halten. Entscheiden soll das ein außergerichtliches Schiedsgericht in Zürich.

Ansprüche

Bisher hat der serbische Staat über seine Postgesellschaft PTT zumindest 58 Prozent der Mobtel für sich beansprucht. Die österreichische Regierung hatte dagegen vergangene Woche öffentlich erklärt, dass Schlaff, Taus und Cordt über die Gesellschaft BK Trade, die sie kürzlich vom serbischen Unternehmer Bogoljub Karic übernommen hatten, bereits 51 Prozent an der Mobtel halten würden.

Diese Verwirrung sei letztlich egal, berichtet "Format". Sobald die TA den Staatsanteil an der Mobtel bekomme, würden die Austro-Partner den Streit um die Besitzverhältnisse beilegen. Danach werde die TA in einem ersten Schritt die Mehrheit an der Mobtel von Schlaff erwerten, um dann in einem zweiten Schritt auf 100 Prozent aufzustocken - ähnlich wie bei der kroatischen VIPnet.

Serbiens Finanzminister Mladjan Dinkic hat allerdings vor einem Verkauf der staatlichen Anteile eine Klärung der Eigentumsverhältnisse verlangt - verständlich, zumal es dabei um einige Millionen Euro geht, meint man auch in Wien. (APA)

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