Palästinenser-Raketen gefährden Waffenruhe

20. Mai 2005, 19:49
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Keine Verletzten durch drei Kassam-Geschosse - Israel droht mit "aggressiverem" Vor­gehen - Peres: "Härte gegen radikale Siedler"

Gaza-Stadt - Radikale Palästinenser haben am Donnerstag weitere Raketen auf Israel abgefeuert. Dabei wurde niemand verletzt. Der Beschuss dürfte aber den Waffenstillstand beider Seiten gefährden, der durch das heftigste Aufflammen der Gewalt seit seiner Erklärung im Februar in den vergangenen Tagen ohnehin bereits brüchig ist. Ziel der Kassam-Raketen waren israelische Gemeinden südöstlich des abgeriegelten palästinensischen Gaza-Streifens.

Auf israelische Siedlungen im Gaza-Streifen seien zudem sieben Mörsergranaten abgefeuert worden. Auch hier sei niemand verletzt worden. Radio Israel berichtete, Ministerpräsident Ariel Scharon werde im späteren Verlauf des Tages mit seinen Sicherheitschefs über weitere israelische Reaktionen auf den Beschuss beraten.

Am Vortag hatten gewalttätige Palästinenser 31 Mörsergranaten auf Siedlungen in dem Gebiet abgeschossen, nachdem ein Mitglied der radikal-islamistischen Terrororganisation Hamas unter strittigen Umständen getötet worden war. Die israelische Armee antwortete mit einem Raketenangriff auf eine Gruppe von Palästinensern, die ihren Angaben zufolge für Granatenbeschüsse verantwortlich seien.

Israel droht mit "aggressiverem" Vorgehen

Israel will seine Militäreinsätze gegen die Palästinenser verschärfen, falls die palästinensischen Raketenangriffe auf jüdische Siedlungen im Gazastreifen andauern. Israel müsse künftig "aggressiver vorgehen", sagte Vize-Verteidigungsminister Seev Boim am Donnerstag im israelischen Rundfunk. Bisher habe sich die israelische Seite zurückgehalten, weil sie eine Phase der Ruhe vor dem geplanten Abzug aus dem Gazastreifen wünsche. "Aber niemand kann erwarten, dass wir unter palästinensischem Beschuss abziehen", warnte Boim.

Die israelische Armee hatte am Mittwoch erstmals seit dreieinhalb Monaten wieder einen Luftangriff auf palästinensischem Gebiet geflogen, dabei war ein militanter Palästinenser ums Leben gekommen. Das israelische Militär startete einen Luftangriff auf eine Gruppe militanter Palästinenser, die die jüdische Siedlung Gush Katif beschossen hatten. Einer der Palästinenser wurde durch den israelischen Angriff mit einer Drohne schwer verletzt. Später flog die israelische Luftwaffe ihren ersten Angriff gegen die Hamas seit Beginn der Feuerpause am 8. Februar.

Peres: "Härte gegen radikale Siedler"

Der israelische Vizeregierungschef Shimon Peres drohte unterdessen radikalen Siedlern im Gazastreifen mit einem härteren Vorgehen gegen Protestaktionen. Er reagierte damit auf die Ausschreitungen vom Montag, bei denen mehr als 300 Demonstranten festgenommen worden waren. Sie hatten aus Protest gegen den Gaza-Abzugsplan unter anderem Autoreifen angezündet und damit Fernstraßen blockiert. Rund 130 von ihnen wurden am Dienstag mit einem zweimonatigen Demonstrationsverbot belegt. Beobachtern zufolge könnten sie damit ihre Protestaktionen zu dem Zeitpunkt wieder aufnehmen, zu dem Israel mit dem Rückzug aus dem Gazastreifen beginnen will.

Treffen Abbas-Sharon im Juni geplant Israel und die Palästinenser haben mittlerweile Einigkeit demonstriert und vereinbart, für eine Einhaltung der Waffenruhe zwischen beiden Seiten zu sorgen. Diese Vereinbarung sei am Donnerstag bei einem Treffen des israelischen Regierungsberaters Dov Weisglass und des palästinensischen Chefunterhändlers Saeb Erekat getroffen worden, berichteten ranghohe Palästinenservertreter.

Beide Seiten hätten zudem ein Treffen zwischen Israels Ministerpräsident Ariel Sharon und dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas für Juni vereinbart. Zudem sollten die gemeinsamen Ausschüsse zur Umsetzung der "vertrauensbildenden Maßnahmen" wieder eingesetzt werden, die beim Gipfel von Sharm el-Sheikh verabredet worden waren.

(APA/Reuters/AP/red)

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    Rakete bei Neve Dekalim eingeschlagen, aber nicht explodiert

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