Die Resistenz des täglichen Trinkers

14. Oktober 2005, 16:33
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Täglich trinken ist kein Problem. Sagt einer der es wissen müsste: Francesco Rosario Averna, Chef der gleichnamigen Likörfabrik

Trink ich ihn warm, trink ich ihn kalt, mit Zitrone oder ohne? Der sizilianische Amaro Averna beglückt auf vielfältige Weise - in Österreich, dem zur Zeit erfolgreichsten Markt, aber ganz besonders. Francesco Averna über einen Welterfolg.

DER STANDARD: Signore Averna, in Italien trinkt man ab dem späten Vormittag - beim Gabelfrühstück, zum Aperitif, beim Essen, zum Digestif ... der ganze Tag ist eine einzige gute Gelegenheit, sich einen hinter die Binde zu gießen. Wie kann da gearbeitet werden?
Francesco Rosario Averna: Sie haben Recht, an einem normalen Arbeitstag muss man sich ein wenig zurückhalten. Aber man baut auch Resistenzen auf (lacht). Wie bei allen Dingen ist es eine Frage der Menge. Ich trinke oft, aber wenig und genieße ich es, den Geschmack eines Weines - oder eines guten Amaro - in kleinen Schlucken zu kosten und langsam in mich aufzunehmen.

DER STANDARD: Averna ist eine richtige "family affair", bei der Brüder und Schwestern, Cousins und Cousinen zusammenarbeiten. Funktionieren solche Business-Modelle nur auf Sizilien?
Averna: Vielleicht spielen alte, sizilianische Wertvorstellungen da schon eine Rolle. Ohne Liebe und gegenseitigen Respekt geht gar nichts: Alle müssen wissen, dass die Firma das Wichtigste ist, persönlicher Ehrgeiz kann fürchterlich ungesund sein. Bei uns ist es völlig undenkbar, dass bei einer Aggression von außen nicht alle dicht beieinander stehen und die Firma und die Familie verteidigen - komme, was wolle!

DER STANDARD: In Italien hat ja fast jedes Dorf sein eigenes Amaro-Rezept, viele davon schmecken durchaus nicht schlechter, als Averna. Was ist das Geheimnis des Welterfolgs?
Averna: Na ja. So ausgewogen, mit dieser Mischung aus über 40 Kräutern, Wurzeln und Zitrusschalen, dieser Balance zwischen süß und bitter - da gibt es kaum Vergleichbares. Aber sicher spielt auch unsere Exporttradition eine Rolle. Mein Großvater ist selbst mit ein paar Flaschen zu Ausstellungen und Messen gereist, nach Kopenhagen, Paris, London. Das war damals sehr weit weg von Sizilien - und es hat sich ausgezahlt. Deshalb kennt man uns in vielen Ecken der Welt eben schon länger.

DER STANDARD: In Österreich ist Averna seit Jahren ein echtes Kultgetränk. Wie entsteht so ein Trend, wie kann man ihn unterstützen?
Averna: Österreich ist seit fünf Jahren der erfolgreichste Markt weltweit. Da spielt die Stärke der italienischen Gastronomie bei Euch eine Rolle, aber auch der weltweite Megatrend für italienische Lebensart und Design. Wir passen da gut hinein, haben die entsprechende Tradition. Das macht uns natürlich glücklich.

DER STANDARD: Hier zu Lande wird Averna gern mit Eis, auch mit Zitrone getrunken. Wie schätzt Signore Averna seinen persönlichen Digestivo?
Averna: Wenn es heiß ist, trinke ich ihn gelato, - wobei die Flasche, wie in den sizilianischen Bars, aus dem Tiefkühler kommt. Sonst bin ich ein traditioneller Trinker, und genieße die Aromen zimmerwarm.
(Der Standard/rondo/20/05/2005)

Severin Corti sprach mit ihm
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    foto: der standard
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