Klares Wasser für das Depot

24. Mai 2005, 17:50
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Wer in Rohstoffe investieren will, denkt in erster Linie an Erdöl oder Gold - Ein ebenso knappes Gut - nämlich Wasser - rückt immer stärker in den Fokus der Anleger

Die Nachfrage nach dem kostbaren Nass wächst doppelt so schnell wie die Weltbevölkerung. Um ein Kilogramm Fleisch "herzustellen", benötigt man 1000 Liter Wasser, eine Mikrochip-Fabrik verbraucht sogar 400.000 Liter Wasser pro Stunde.

Und im Durchschnitt verbraucht ein Mensch pro Jahr eine Million Liter Wasser, um seine Grundbedürfnisse, die tägliche Hygiene bzw. die industrielle Produktion abzudecken, hat die Finanzagentur e-fundresearch ermittelt.

"Gewisse Länder geben bis zu 35 Prozent des Wertes aller Importe für Nahrungsmittel aus, weil die lokal verfügbaren Wasserressourcen nicht ausreichen, um die Nahrungsbedürfnisse der eigenen Bevölkerung zu decken", schildert etwa Dieter Küffner, Fondsmanager des SAM Sustainable Water Fund, die Problematik.

"Bedarf steigt überproportional"

Portner: "Der Wasserbedarf steigt überproportional an." Und die Lage spitzt sich zu: "Während die Weltbevölkerung seit 1970 im Schnitt pro Jahr um 1,5 Prozent angewachsen ist, stieg die Wassernachfrage aufgrund des höheren Lebensstandards um das Doppelte", erklärt Hans Peter Portner, Fondsmanager des Pictet Water Fund.

Während es 1950 nur zwei Megastädte mit mehr als acht Millionen Einwohnern gab, werden es im Jahr 2015 bereits 36 sein - und erhöhtes Gesundheitsbewusstsein verstärkt diesen Trend noch zusätzlich.

Zunehmende Verstädterung

Die zunehmende Verstädterung erhöht aber vor allem den Bedarf nach Infrastruktur für Wasserdienstleistungen, besonders auf der Entsorgungsseite, wo minimale Hygienestandards eingehalten werden müssen. Alte Wasserleitungen machen Investitionen dringend erforderlich.

Aber nicht nur neue Infrastruktur ist notwendig, um den steigenden Bedarf nach Trinkwasser zu decken: Denn die Lebensdauer von Trinkwasserleitungen beträgt je nach Qualität, Bodenbeschaffenheit und anderen Faktoren 50 bis 100 Jahre.

Entsprechend müssen jährlich ein bis zwei Prozent der Leitungen erneuert werden. Während Städte wie Wien, Amsterdam oder Zürich in ausreichendem Ausmaß in ihre Infrastruktur investieren, gibt es aber auch viele Städte die hier großen Nachholbedarf aufweisen.

In London - wo jährlich nur 0,1 Prozent der Leitungen erneuert werden - versickern aufgrund der veralteten Infrastruktur jährlich 50 Prozent des Leitungswassers durch Lecks. Ähnlich die Situation in New Orleans. Und in den USA gehen heute im Schnitt 15 bis 20 Prozent des transportierten Trinkwassers in Leitungen durch Lecks verloren.

Wasserknappheit

Obwohl es heute noch genügend Trinkwasser gebe, sei - je nach Region - mit einer Wasserknappheit bereits im Jahr 2025 zu rechnen. "Erste Anzeichen davon sehen wir in Nordafrika, Teilen Indiens und China", fügt Küffer hinzu. Einziger Ausweg: eine höhere Effizienz im Einsatz von Wasser in Landwirtschaft und Industrie bzw. in der Trinkwasseraufbereitung und -reinigung.

Genau auf diese langfristigen Trends setzen die bis dato einzigen Wasserfonds. Sowohl der Pictet Water Fund als auch der SAM Sustainable Water Fund schafften es seit 2001, den MSCI World Index, noch dazu mit einer geringeren Volatilität, zu schlagen.

Dass es nicht mehr vergleichbare Produkte am Markt gebe, sei laut Portner aber nicht auf die Investmentstory zurückzuführen: "Sektorenfonds, wie wir es sind, passen schwer in ein MSCI-Sektorengerüst. Für institutionelle Anleger ist das Thema deswegen kaum interessant", erklärt der Pictet-Fondsmanager.

Seit Auflage des SAM Fonds im September 2001 liegt dieser mit einer Performance von 2,6 Prozent p.a. klar vor dem Pictet Fonds mit -2,3 Prozent p.a. Den MSCI World Index - dieser verlor in diesem Zeitraum im Schnitt 2,5 Prozent im Jahr - konnten beide Fonds schlagen.

Volatilität deutlich unter Weltaktienindex

Die Volatilität liegt bei beiden Fonds jedoch deutlich unter dem Weltaktienindex. "Viele Wasserunternehmen stammen aus dem Bereich Versorger und Industrie. Dieser defensive Fokus senkt automatisch das Risiko", erklärt Portner.

In der Ausrichtung unterscheiden sich beide Fonds jedoch signifikant: Während der mit 341 Millionen Euro weitaus größere Pictet Fonds fast zur Hälfte in Wasserversorger investiert ist, besteht der SAM Fonds zur Hälfte aus industriellen Zulieferbetrieben. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.05.2005)

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