"Hochspekulative Kraftwerkspläne"

19. Mai 2005, 16:47
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Tiwag kappt Zugang zu kritischer Homepage

Innsbruck - Während die Großkraftwerkspläne des Tiroler Stromkonzerns Tiwag in einer geheimen Arbeitsgruppe des Landes auf ihre Verträglichkeit und Durchsetzbarkeit geprüft werden, müssen sich die Spitzen von Tiwag und Politik mit Spatenstichen für Kleinkraftwerke begnügen.

Gestern war es in Hopfgarten im Osttiroler Defreggental so weit, wo an der Schwarzach zwei Laufkraftwerke mit einer Leistung von jeweils 9,9 Megawatt errichtet werden. Unter zehn Megawatt gibt es die Ökostromprämie, ohne die das Projekt nicht wirtschaftlich wäre. Zugleich werden die Bachfassung und das Krafthaus auf eine fast doppelt so hohe Leistung ausgerichtet - als Option für die Zeit nach Auslaufen der Ökostromförderung. Umweltanwalt Sigbert Riccabona nennt das Kind beim Namen: "Erschleichung der Ökostromprämie." Für Kraftwerkskritiker Wolfgang Retter sind an der Schwarzach die "derzeitigen Restwassermengen noch vertretbar".

In einer Aussendung kritisieren die Bürgerinitiativen des "Netzwerk Tirol" die Pläne der Tiwag für Pumpspeicherkraftwerke als "hochspekulativ". Die Rentabilität der Veredelung von billigem Atomstrom in teuren Spitzenstrom sei in wenigen Jahren fraglich. Unter anderem deshalb "sind wir nicht bereit, unsere Hochtäler für Atomstrom-Waschmaschinen zu opfern".

Blockierte Kritik

Seit einigen Tagen werden den Mitarbeitern der Tiwag die Inhalte der vom Ötztaler Autor Markus Wilhelm betriebenen kritischen Homepage www.dietiwag.org vorenthalten. Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer hat die Seite blockieren lassen und verkündet, dies sei "zum Schutz der Mitarbeiter" geschehen. Zur "Feindbeobachtung" darf nun nur noch die Führungscrew der Tiwag Wilhelms Enthüllungen über die Cross-Border-Geschäfte in der Dienstzeit lesen.

Landeshauptmann Herwig van Staa unterstützt diese Vorgangsweise: "Die Dienstzeit ist für etwas anderes da als zum Surfen" und zieht den Vergleich mit den auch im Landhaus blockierten Pornografieseiten. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 19.05.2005)

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