Warum Investoren Indien lieben

12. Juli 2005, 15:35
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Indien-Fonds haben in den vergangenen drei Jahren je durchschnittlich fast 20 Prozent gebracht - Die Meinl Bank startet nun mit einem "India Growth Fund"

Sieben reine Indien-Fonds sind in Österreich zugelassen, jetzt kommt ein achter dazu: Der Meinl India Growth Fund ist der erste seiner Art aus einer heimischen Kapitalanlagegesellschaft - noch dazu notiert er in Euro, nicht in Dollar wie die Mehrzahl der Indien-Produkte. Partner ist der Asien-Spezialist Crédit Agricole, der mit Ray Jovanovich als Advisor den Fonds von Hongkong aus managt.

Meinl startet mit rund 20 Mio. Euro institutionellem Geld heimischer Versicherungen, öffnet den Fonds aber sofort für das Publikum. "Als Zukunftsthema", wie Wolfgang Matejka, als Chief Investment Officer der Meinl Bank quasi oberster Produktschmied, sagt.

Was Indien von anderen Emerging-Market-Börsen unterscheidet, deren Unternehmen an den Börsen während der ersten Welle prosperierenden Wirtschaftswachstums wie Underdogs performen? "In Indien sitzen die Hauptprofiteure der Infrastrukturinvestitionen an der Börse." Das lockt ausländische Investoren an.

Big in Japan

Vor allem in Japan, das nun nach dem Fall der uneingeschränkten Staatsgarantie für die Einlagen auf den traditionellen Festgeldkonten derzeit gerade ertragreichere Investments entdeckt, ist Indien das Thema.

Einer Studie der japanischen Bank für internationale Zusammenarbeit zufolge wird Indien in den kommenden drei Jahren der drittwichtigste Unternehmensstandort für Japaner - nach China und Taiwan, die im Fokus der japanischen Autoindustrie stehen.

Ausländische Banken bauen ihre Präsenz vor Ort aus, dürfen jetzt auch lokale private Institute übernehmen. Jeder auch im Vorfeld politischer Entscheidungen sehr ungastlich wirkende Rückgang im Bombay Sensitive Index (Sensex) wird zum Kaufen genützt. Im Vorjahr summierten sich die ausländischen Investments in den indischen Aktienmarkt auf rund 14 Mrd. Dollar.

Ungeachtet der Erwartungen an die Dollar-Entwicklung, also auch bei einem anhaltend stärkeren Dollar, hat sich Indien als Fokus unter Asiens aufstrebenden Finanzmärkten herauskristallisiert.

Fundamental intakte Wachstumsperspektive

Der Grund: Die fundamental intakte Wachstumsperspektive. 2030 wird Indien mit 1,1 Mrd. Einwohnern das größte Land der Erde sein, das nicht nur über ein enorm großes Arbeitskräftepotenzial verfügt, sondern dieses ist auch gut ausgebildet und durchschnittlich 25 Jahre jung.

"Anders als in China treibt der private Sektor die Wirtschaft", so Matejka, der an "das politische Commitment von Infrastrukturinvestitionen und Wirtschaftsreformen" glaubt. Die so genannte UPA-Koalition habe die anfänglich geringen Erwartungen ausländischer Investoren übertroffen. Dazu werde der private Konsum in der Demokratie, ebenfalls anders als in China, die Entwicklung auf breiterer Ebene mittragen.

Besser als China

Dass derzeit international ständig neue Indien-Fonds aufgelegt werden, signalisiert, dass global agierende Fondsgesellschaften mehr Transparenz (Corporate Governance) und eine bessere Auswahl an Aktien in Indien finden als in China. Und: Mit einem geschätzten Volumen von zwölf Mrd. Dollar ist die Pipeline für neue Börsengänge gefüllt.

"An Indien wird man nicht vorbeikommen", so Matejka, der diesbezüglich auch mit einer sektoriellen Aufgliederung der Emerging Markets, die derzeit ja hauptsächlich geografisch betrachtet werden, rechnet: "Services und Software in Indien gelten dabei tendenziell als defensive Sektoren in einem Portfolio."

Fazit: Wer Ertrag wünscht, Schwankungen ertragen kann und langfristig investieren will, sollte über einen zehnprozentigen Indien-Anteil im Aktienportfolio nachdenken. (Karin Bauer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.05.2005)

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