Teheran: Atomprogramm kann nur "um einige Wochen" aufgeschoben werden

22. Mai 2005, 20:01
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Chefunterhändler Rohani: Wiederaufnahme aber "unumkehrbar"

Teheran - Der Iran hat die Entscheidung zur Wiederaufnahme seines Atomprogramms als unumkehrbar bezeichnet, jedoch einen Aufschub in Aussicht gestellt. Der Chefunterhändler bei den Atomgesprächen mit den Europäern, Hassan Rohani, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch, sein Land könne den Wiedereinstieg in das Atomprogramm um einige Wochen verschieben, falls die Gespräche gut liefen.

Sollte es zu dem Aufschub kommen, könnte die Islamische Republik eine diplomatische Krise wegen des umstrittenen Atomprogramms vor den für den 17. Juni angesetzten Präsidentenwahlen im Iran vermeiden.

Rohani wiederholte in dem Interview mehrmals, die Entscheidung über eine Wiederaufnahme des Nuklearbetriebs im Kraftwerk Isfahan sei unumkehrbar. In dem Werk wird Roh-Uran in ein Gas umgewandelt, das für die Erzeugung von Atomstrom, aber auch zum Bau von Atombomben verwendet werden kann. Insbesondere die USA werfen dem Iran vor, sein ziviles Nuklearprogramm als Deckmantel für ein geheimes Atomwaffenprogramm zu nutzen.

Nicht mehr verhandelbar

Bei der nächsten Gesprächsrunde mit den EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien am 23. Mai in Paris werde die geplante "Wiederaufnahme der Aktivitäten in Isfahan" nicht mehr verhandelbar sein, betonte Rohani. Allerdings könne man über den Zeitplan und die Umstände sprechen, insbesondere auch über Vereinbarungen zu internationalen Inspektionen. An die Wiederaufnahme des Nuklearbetriebs werde sich nicht automatisch die vom Westen als besonders kritisch angesehene Anreicherung von Uran anschließen, fügte Rohani hinzu.

Der Iran hatte den Europäern im vergangenen Jahr zugesichert, während der Verhandlungen die Arbeiten am atomaren Brennstoffkreislauf auszusetzen. Später kündigte das Land an, diese Zusage zurückzuziehen. Experten gehen jedoch davon aus, dass es der Iran vor der Präsidentenwahl im kommenden Monat nicht auf eine außenpolitische Krise ankommen lassen wird. (APA/Reuters)

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