Pimp my irgendwas

8. Juli 2005, 11:37
16 Postings

Das mit dem Tieferlegen ist manchmal schwer vermittelbar. Und so fragte P. allen Ernstes, wozu das gut sei. Das Tieferlegen ...

Das mit dem Tieferlegen ist manchmal schwer vermittelbar. Und so fragte P. allen Ernstes, wozu das gut sei. Das Tieferlegen. Als ihm dann jemand Tuning-Hefterln reichte, staunte er: Das sei ja noch unnötiger als Schönheitsoperationen. Aber er lebe gerne außerhalb des Hipness-Raum-Zeit-Kontinuums.

Wir baten P. zum Fernsehabend. Auf MTV lief "Pimp my Ride", das Autoaufmotzmagazin des Werbesenders mit Musikeinsprengseln: US-Habenichtsen werden - nach ordentlicher Selbsterniedrigung ("dieses Auto widerspricht meiner Persönlichkeit") - ihre Rostbeulen auffrisiert. An den Tankstellen an der Wiener Triester Straße wäre man damit ein Superheld. Und: Wie da Mechaniker und Lackierer mit den Kisten verfahren - das hat was. Erst recht die Glückseligkeit in den Augen der - durch die Bank tiefer gelegten - "Gepimpten". P. war fassungslos. Vor allem über das Fehlen jeglicher Selbstironie in dem Format.

Doch dann kam der Kicker von St. Pauli ins Bild: "Bitte MTV, pimp my Fahrrad!", flehte der Mann lachend - und zeigte sein Uralt-Opa-Rostrad. MTV pimpte. Zum Schluss saß der Fußballer auf einem (eh klar: tiefer gelegten) Gefährt, das ein Mini-Tischfußball-Set am Lenker hatte - während hinten ein GPS-Stimmchen "nach 100 Metern links abbiegen" hauchte. In den 70er-Jahren in der Vorstadt hätten wir für so ein Rad getötet.

P. lachte, bis er Seitenstechen hatte - und überlegt seither, wie er es anstellen könnte, mit "Pimp my Einkaufswagerl" TV-Unsterblichkeit zu erlangen. (rott/DER STANDARD; Printausgabe, 19.5.2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.