Abschläge und andere Niederschläge

25. Mai 2005, 15:13
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Wörtherseebühne: Finanzdebakel gewinnt im Untersuchungsausschuss Konturen

Klagenfurt - Die zwei wichtigsten Kronzeugen, Renato Zanella und Exfinanzlandesrat Karl Pfeifenberger, fehlten. Dennoch gab es am Donnerstag im Kärntner Untersuchungsausschuss zum Finanzdebakel auf der Klagenfurter Seebühne neuerlich höchst brisante Enthüllungen.

Brigitte Kühberger, Assistentin von Beinahe-Intendant Zanella, berichtete, dass die Seebühnen-Betreibergesellschaft schon im Juli 2004 "bankrott" gewesen sei. Nämlich als absehbar wurde, dass das Musical 'Tosca' die bereits entstandenen Verluste nicht mehr einspielen konnte. Davon habe die Kulturabteilung gewusst. In einer Verzweiflungsaktion habe man sogar Landeshauptmann Jörg Haider angerufen und ihm die desaströse Finanzsituation geschildert. Als Antwort sei ein Mail der Kulturamtsleiterin Erika Napetschnig eingelangt.

Nach außen musste aber so getan werden, als sei alles in Ordnung. So wurden die Verhandlungen über das für 2005 geplante Musical 'Napoleon' mit Uwe Kröger in der Hauptrolle weitergeführt, obwohl klar war, dass dieses seit Sommer 2004 nicht mehr realisierbar war.

Sie habe dabei Marika Lichter, die Chefin der Agentur Glanzlichter, "belügen" müssen. Als Lichter ab Herbst immer vehementer auf die Unterschrift unter ihren Vertrag drängte, sei von der Kulturabteilung die "Weisung" gekommen "weiterzumachen". Erst im Jänner 2005 wurde die Konkursreife der Seebühne durch einen Bericht der Wirtschaftsprüfer Huber & Rossbacher öffentlich.

Kühberger berichtete auch, dass sie im Auftrag des Kulturreferenten der Stadt Klagenfurt, Mario Canori (BZÖ), ein Fest für die Wörthersee-Festspiele auszurichten hatte: Kostenpunkt 100.000 Euro. Marika Lichter schilderte, wie sie bezüglich ihres Vertrages ständig vertröstet wurde. Im November habe sie Haider kontaktiert. Kulturamtsleiterin Napetschnig habe ihr geantwortet: "Ich solle den bösartigen Zeitungsberichten keinen Glauben schenken." Lichter erhielt 50.000 Euro Abschlagszahlung.

Napetschnig erklärte, sie könne sich an kein E-Mail, betreffend die Finanzlage der Seebühne, erinnern - und auch nicht an Details der Vertagungsverhandlungen mit Zanella. (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2005)

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