Diskussion um Zerstörung oder Erhaltung des Pocken-Virus

24. Mai 2005, 15:46
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Fürsprecher der weiteren Erforschung: Genetische Veränderung des Virus könnte Entwicklung neuer Behandlungsansätze beschleunigen

Genf - Die WHO prüft derzeit sorgfältig, ob weitere Forschungen am Pockenvirus erlaubt werden sollen. Zahlreiche Wissenschafter argumentieren, dass eine genetische Veränderung des Virus die Entwicklung neuer Behandlungsansätze beschleunigen könnte. Für Kritiker ist die Sicherheit am besten durch die Zerstörung der letzten noch vorhandenen Proben des Virus gewährleistet. Die Pocken wurden 1977 gänzlich ausgerottet.

Der Vorschlag einer genetischen Modifikation wird vor der Weltgesundheitsversammlung der 192 Mitgliedstaaten der WHO vorgebracht werden. Dieser Plan beinhaltet das Einbringen eines fluoreszierenden Proteins in das Virus. Dieses Protein wird grün leuchten, wenn das Virus am Leben ist. Es wird nicht sichtbar, wenn das Virus abgestorben ist. Daher gilt dieses Verfahren als rascher und sicherer Test für antivirale Wirkstoffe. Kritiker dieser Forschungen stimmen diesem Ansatz nicht zu. Sie argumentieren, dass damit eine Büchse der Pandora der genetischen Manipulation gefährlicher Viren geöffnet werde, die der ursprünglichen Intention der WHO widerspräche. Das letzte bekannte Pockenopfer sei nach der Freisetzung des Virus durch ein Labor gestorben.

Die Pocken gehören zu den tödlichsten Erkrankungen, die je bekannt geworden sind. Sie tötet laut BBC mehr als ein Viertel der Infizierten. Die Überlebenden sind entstellt und häufig blind. Bis in die sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts forderten die Pocken jährlich mehr als zwei Millionen Opfer. Nach der Ausrottung der Krankheit wurde die Zerstörung aller verbleibenden Proben zugesagt aber nie durchgeführt. Mike Ryan von der WHO geht davon aus, dass die Erforschung des Virus helfen wird, neue Ausbrüche zu verhindern. "Wir müssen absolut sicher sein, dass wir für den Fall der Freisetzung aus einer anderen Quelle über die erforderlichen antiviralen Wirkstoffe und die notwendigen Impfstoffe verfügen. Ich gehe davon aus, dass es diese fortwährende Balance ist, mit der sich die Mitgliedstaaten der WHO auseinandersetzen müssen." (pte)

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