Berliner Politologe soll nach NPD-Zeitungsinterview Uni verlassen

31. Mai 2005, 14:59
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Rabehl stellte Ausrottung der Juden auf eine Stufe mit der angeblichen Unterdrückung der Deutschen nach 1945 - Otto-Suhr-Institut prüft Möglichkeit, dem Politologen die Lehrbefugnis zu entziehen

Berlin - Der deutsche Politikwissenschaftler Prof. Bernd Rabehl soll nach einem Interview mit der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin verlassen. Der 67-Jährige habe "in unerträglicher Weise gegen Prinzipien demokratischer Gesinnung und Gesittung verstoßen", schrieb Institutsdirektor Prof. Bodo Zeuner am Mittwoch in einem Brief an Rabehl.

"Mit Ihrem Bekenntnis zur NPD und deren völkisch-nationalistischen Ideologemen (Gedankengebilde) haben Sie Positionen bezogen, die außerhalb des Konsenses stehen, der die Lehrenden am Otto-Suhr- Institut verbindet", heißt es in dem Schreiben weiter. Die FU prüfe die Möglichkeit, Rabehl die Lehrbefugnis zu entziehen.

Bereits mehrmals war Rabehl, der einst als linker Aktivist enger Freund und Weggefährte des Studentenführers Rudi Dutschke war, wegen seiner Nähe zur äußersten Rechten aufgefallen. "Aber diese Sache hat nun eine neue Qualität", sagte Zeuner. Das Interview vom März sei "unerträglich", weil darin die Ausrottung der Juden auf eine Stufe mit der angeblichen Unterdrückung der Deutschen nach 1945 gestellt werde.

Rabehl selbst spielte die Brisanz des Interviews herunter. "Ich bin ein ganz friedlicher Rentner", sagte er der "Berliner Zeitung". Der 67-Jährige ist seit zwei Jahren pensioniert, gibt aber weiter einzelne Lehrveranstaltungen. (APA/dpa)

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