Linzer Bischof Aichern tritt zurück

18. Mai 2005, 19:16
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73-jähriger tritt aus Altersgründen und "sicher nicht" wegen konservativer Kritik an seiner Person ab - Kein Wunschnachfolger

Linz - Der Linzer Bischof Maximilian Aichern legt sein Amt aus Altersgründen zurück, bestätigte die Diözese am Mittwoch. Der 1932 in Wien als Sohn eines Fleischhauers in Wien geborene Aichern wurde am 15. Dezember 1981 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Linz ernannt. Am 16. Jänner 1982, einen Tag vor der Bischofsweihe, übernahm er offiziell die Amtsgeschäfte als zwölfter Bischof von Linz.

Schönborn war vorinformiert

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, sagte am Mittwoch im Gespräch mit "Kathpress", dass ihm Bischof Maximilian Aichern schon vor längerer Zeit seine Rücktrittsabsichten anvertraut hatte. Wörtlich erklärte der Wiener Erzbischof: "Ich habe Maximilian Aichern schon als Abt von St. Lambrecht und dann noch mehr als Bischof als einen liebenswürdigen, väterlichen und wirklich den Menschen sehr nahen Hirten kennen und schätzen gelernt".

Papst nahm Gesuch an

Papst Benedikt XVI. hat das bereits vor einem Jahr bei der vatikanischen Bischofskongregation angekündigte Rücktrittsgesuch des Linzer Bischofs Maximilian Aichern laut Kathpress angenommen. Bis ein neuer Bischof für die Diözese ernannt ist, bleibe Aichern auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes vorläufig weiterhin als Apostolischer Administrator Leiter der Diözese Linz.

Der Rücktritt Aicherns sei aus Altersgründen erfolgt, er steht im 73. Lebensjahr, so die Kathpress. Bischof Aichern ist bereits seit 42 Jahren in leitenden kirchlichen Ämtern tätig. 18 Jahre war er Abt des Benediktinerstiftes St. Lambrecht und Abt-Präses der österreichischen Benediktinerkongregation. Im "Severin-Jahr" 1981/82 - zum 1500. Todestag des zweiten Diözesanpatrons - hatte Aichern seinen Dienst als Bischof von Linz angetreten. Vor einem Jahr deponierte er in Rom seinen Wunsch, aus Altersgründen mit Ende des Florian-Jahres 2004 - zum 1700. Todestag des ersten Diözesanpatrons - sein Amt zurücklegen zu wollen.

73

Aichern folge damit dem Beispiel anderer österreichischer Bischöfe wie Franz Zak (St. Pölten), Johann Weber (Graz-Seckau) und Georg Eder (Salzburg), die ebenfalls mit 73 Jahren ihren Rücktritt angeboten hatten, der dann auch angenommen worden sei, berichtete die Kathpress.

Als Apostolischer Administrator habe Aichern den bisherigen Generalvikar Maximilian Mittendorfer und die Bischofsvikare Josef Ahammer, Josef Mayr, Alfons Riedl und Wilhelm Vieböck als seine Ständigen Vertreter in ihren Aufgaben bestätigt. Mit der Annahme des Rücktrittsgesuchs Aicherns setze der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Georg Zur, den üblichen Vorgang zur Kandidatenfindung für die Nachfolge in Gang, kündigte die Kathpress an. Die letzte Entscheidung treffe Papst Benedikt XVI.

"Sicher nicht" wegen konservativer Kritik

Aichern stellte in einer Pressekonferenz Mittwochnachmittag in Linz zu seinem überraschenden Rücktritt fest, er erfolge nicht in Zusammenhang mit der von konservativen Kreisen an ihm geäußerten Kritik: "Sicherlich nicht. Da hätte ich schon früher zurücktreten müssen". Aichern betonte, er habe sich vielmehr schon vor einigen Jahren vorgenommen, im jetzigen Alter zu bitten, seinen Rücktritt anzunehmen, dafür gebe es Zeugen. "Es ist nicht gut, wenn überall Opas am Werk sind". Erneuerung sei gut.

Wer vorne stehe, werde immer ein "Reibebaum" für die eine oder die andere Seite sein, stellte Aichern fest. Das seien zuweilen auch die Bischöfe der anderen Diözesen. Er sehe auch nicht, wo er "liberal" gewesen sei. Er sei Mitglied der österreichischen Bischofskonferenz und was dort besprochen werden sei, werde in den Diözesen durchgeführt, wenn dies auch jeder auf seine Weise tue. Aber es sei nicht anderes geschehen, was die Bischofskonferenz oder die Weltkirche gewollt habe. Er habe kein Gebot Gottes verletzt.

Zu Befürchtungen, dass es jetzt mit einem neuen Bischof einen "Kurswechsel" geben könnte, wollte er sich nicht äußern. Es sei noch nicht einmal der Prozess zur Bischofsfindung eingeleitet worden. Aber er empfahl, den Geist Gottes zu bitten, dass er alles zum Richtigen lenke. Keiner kenne den deutschsprachigen Raum so gut wie der jetzige Papst. Aichern lehnte es ab, einen "Wunschnachfolger" nennen. Dieser sollte auf dem Boden gewachsen sein, für den er später kirchlich verantwortlich sein soll, weil es wegen der Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sonst Jahre dauere, bis er eingearbeitet sei. Es könne aber auch gut sein, wenn jemand von woanders komme, gab er zu bedenken und nannte als Beispiel Innsbruck. Der Nachfolger sollte "ein glaubendes Herz, viel glaubende Substanz haben, eine gesunde Menschenfreundlichkeit und ganz schön weltoffen sein, damit er nicht übersieht, was vor sich geht".

Der Bischof, der in der Pressekonferenz sehr gelöst wirkte, stellte fest, zufrieden dürfe man nie sein, aber er blicke auf viele bedeutende Ereignisse in seiner Amtszeit zurück, unter anderem die Diözesanversammlung zum Thema "Glaubensweitergabe". Insgesamt zog er als Bilanz: "Eine sehr interessante, schöne, mitunter aufreibende, aufregende Zeit". Seinem Nachfolger legte er unter anderem die Kinder und die Jugend ans Herz, die die Zukunft und Heimat der Kirche seien. Außerdem machte er auf eine Option für die Armen aufmerksam: "Die Verteilungsgerechtigkeit müsste uns allen auf der Seele brennen" - in Österreich und in der so genannten Dritten Welt. (APA)

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