Leichte Wirtschaftserholung bis 2009 - Keine Trendwende am Arbeitsmarkt

18. Mai 2005, 17:42
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Wifo: Durchschnittlich 2,3 Prozent Wachstum jährlich reichen für Verringerung des Budgetdefizits - Selbst bei guten Bedingungen wird Arbeitslosigkeit weiter steigen

Wien - Selbst wenn in den kommenden vier Jahren die Rahmenbedingungen in Österreich und weltweit gut sind, wird die Arbeitslosenzahl weiter steigen.

In den vergangenen fünf Jahren ist Österreichs Wirtschaft jährlich real um nur 1,6 Prozent gewachsen. Für die kommenden fünf Jahre erwartet das Wifo in seiner neuen Mittelfristprognose nun eine leichte Beschleunigung des Wachstum auf durchschnittlich 2,3 Prozent pro Jahr. Dies werde zwar eine Verringerung des Budgetdefizits auf minus 0,5 Prozent des BIP bis 2009 ermöglichen. Auf Grund des hohen Zustroms an Arbeitskräften reiche das Wachstum aber nicht aus, um eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt herbeizuführen. Die Arbeitslosigkeit bleibe damit "das Hauptproblem der österreichischen Wirtschaftsentwicklung", so das Wifo und rechnet vor, dass die Zahl der Arbeitslosen von heuer knapp 247.000 auf fast 260.000 im Jahr 2009 ansteigen wird. Die Zahl der Menschen ohne Job, aber in Schulung - zuletzt im April gut 51.000 Personen - ist darin noch nicht eingerechnet.

Angebot an Arbeitskräften wächst

Gleichzeitig steigt die Beschäftigung um 0,9 Prozent pro Jahr. "Die Erholung von Exportindustrie und Bauwirtschaft wird auch eine Ausweitung der Vollzeitarbeitsplätze zulassen, überwiegend dürfte sie aber Teilzeitstellen betreffen", so das Wifo am Mittwoch in einer Aussendung. Noch rascher wächst allerdings das Angebot an Arbeitskräften. Dies geht auf hohe Einbürgerungsraten, regen Zustrom ausländischer Arbeitskräfte und die Anhebung des Frühpensionsalters zurück, erklärten die Wirtschaftsforscher.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote bleibt im Prognosezeitraum auf dem Niveau des Jahres 2005 (7,1 Prozent der unselbständigen Erwerbspersonen bzw. 4,5 Prozent der Erwerbspersonen laut Eurostat). Sie liegt damit deutlich über jener der Periode 1999/2004 (6,6 Prozent bzw. 4,1 Prozent).

Optimistische Annahme

Dabei geht die Wifo-Studie von optimistischen Annahmen aus. Wie etwa einer Korrektur der Überbewertung des Euro gegenüber dem Dollar und eines Rückgangs der hohen Weltmarktpreise von Erdöl. Zudem ist nicht gesichert, dass die Wirtschaftspolitik der Schwäche der Konsumnachfrage der privaten Haushalte im Euro-Raum und in Österreich wirksam begegnen kann, heißt es weiter. Und: Die Annahme eines leichten Rückgangs der Sparquote ab 2007 könnte sich angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und umfangreicher Reformen im Sozialsystem als zu optimistisch erweisen.

Andererseits könnte die Weltwirtschaft angetrieben von der Expansion in China rascher wachsen als angenommen, und in der EU könnte ein Bedeutungsgewinn der Zukunftsausgaben im Rahmen des Lissabon-Prozesses und der Transeuropäischen Netze Wachstumsimpulse bieten. Von beiden Entwicklungen würde Österreich aufGrund der hohen preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Exportunternehmen besonders profitieren. Auch im Inland würde eine Beschleunigung des Strukturwandels durch eine Verbesserung des Bildungs- und Innovationssystems neue Wachstumskräfte entfalten, betonte das österreichische Forschungsinstitut. (APA)

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Wifo

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    Österreichs Wirtschaftswachstum kommt langsam in Fahrt - Am Jobmarkt ist keine Trendwende in Sicht.

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