Rauch-Kallat bezweifelt Seriosität der WEF-Studie

18. Mai 2005, 15:30
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Frauenministerin verlangt Evaluierung durch "seriöses östereichisches Institut" - Oppositionsfrauen kontern

Wien - Für Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (V) stellt sich die Situation für Frauen in Österreich anders dar als in der aktuellen Analyse des Weltwirtschaftsforum (WEF). Vor dem Ministerrat am Dienstag erklärte die Ressortchefin, dass sie die vorliegende Studie erstmal durch ein "seriöses österreichisches Institut" evaluieren lassen wolle. Da teilweise kein objektives Datenmaterial und teilweise solches aus dem Jahr 1998 verwendet worden sei, lasse die Reihung Österreichs an 28. Stelle unter 58 Staaten "zumindest die Möglichkeit offen, dass die Seriosität anzuzweifeln ist".

"Ich hätte das gerne verwertet, dann gebe ich eine Beurteilung ab", meinte sie. Aber schon jetzt könne man sagen, dass gerade bei der politischen Mitsprache und beim Bildungszugang in Österreich "tatsächlich eine andere Situation gegeben" sei, befand die Ministerin.

Schließlich liege der Frauenanteil im Parlament bei 30 Prozent, in der Regierung stellen Frauen die Hälfte der Regierungsmitglieder. Und mittlerweile würden Mädchen öfters die Matura machen als Buben, auch bei den UniversitätsabsolventInnen hätten sie gleichgezogen. Außerdem würden die Zahlen anders aussehen, wenn die Maßnahmen seit 2000 berücksichtigt werden würden.

Stadlbauer: "Wieviele Beweise braucht Rauch-Kallat noch?"

"Österreich schneidet katastrophal in der Gleichstellung von Frauen und Männern ab und der Frauenministerin fällt nichts Besseres ein, als die Zahlen anzuzweifeln", empörte sich SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer am Mittwoch in einer Aussendung. Rauch-Kallat habe bereits angekündigt, was sie zu tun gedenkt: Nämlich heimische Expertinnen und Experten zu beschäftigen, um die Zahlen wieder aus der Welt zu schaffen, meinte Stadlbauer. "Wenn das die einzige Maßnahme der Frauenministerin angesichts der beschämenden Daten ist, dann ist das ein Skandal".

Weinzinger kritisiert Realitätsverweigerung

"Wenn Frauenministerin Rauch-Kallat beginnt, die Seriosität einer Analyse des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Frage zu stellen, grenzt das an Realitätsverweigerung. Wie viele Studien muss es denn noch geben, damit auch Rauch-Kallat einsieht, dass Österreich bei der Chancengleichheit von Frauen eines der Schlusslichter ist", so Brigid Weinzinger, Frauensprecherin der Grünen. (APA/red)

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