Regierung führt Diplomaten durch Andischan

20. Mai 2005, 17:34
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Schauplatz des mutmaßlichen Massakers nicht gezeigt

Andischan - Eine knappe Woche nach den Unruhen in Andischan hat die usbekische Regierung eine Gruppe europäischer und asiatischer Diplomaten in den Osten des Landes gebracht und sie durch die Stadt geführt. Sie zeigte ihnen aber nicht den Schauplatz des Massakers, das Regierungstruppen Augenzeugen und Menschenrechtsorganisationen zufolge unter Demonstranten angerichtet haben.

Präsident Islam Karimows Regierung hat erklärt, sie habe eine Rebellion von islamischen Terroristen niedergeschlagen, nicht aber auf Zivilisten schießen lassen. Einer usbekischen Oppositionspartei zufolge wurden bei den Unruhen am Freitag mehr als 750 Menschen getötet. "Schreiben Sie in Ihrem Bericht, dass Sie uns nicht die Schule gezeigt haben", rief einer der Diplomaten Journalisten zu, die den Bus der Delegation auf dem Weg zurück zum Flughafen abpassten. Die Schüsse der Sicherheitskräfte auf zivile Demonstranten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, sollen vor der Schule Nummer 15 in der Cholpon-Allee gefallen sein.

Unter den Diplomaten waren unter anderem Vertreter aus Großbritannien, Rumänien, Tschechien, China und Südkorea. Sie wurden mehr als zwei Stunden lang von Innenminister Sakirdschon Almatow durch die Stadt im dicht bevölkerten Fergana-Tal geführt. Almatow bekräftigte die Erklärung der Regierung, nicht die Sicherheitskräfte, sondern Rebellen seien für das Massaker an Zivilisten verantwortlich. "Medien behaupten, die usbekische Regierung habe das Feuer auf friedliche Demonstranten eröffnet", sagte Almatow in scharfem Ton zu Journalisten. "Wie kommen Sie dazu zu sagen, es seien friedliche Demonstranten gewesen?" (APA/Reuters)

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