Prodi: Nein zur Verfassung wäre Ende des Europa "à la francaise"

20. Mai 2005, 15:37
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Für Ex-EU-Kommissionspräsident wäre EU nur noch "ein großer Markt ohne soziale Dimension"

Paris - Ein Sieg des Nein bei der Volksabstimmung in Frankreich über die künftige europäische Verfassung könnte das Ende der europäischen Integration "a la francaise" bedeuten und aus der EU "einen großen Markt ohne politische Union und soziale Dimension" machen. Dies schreibt der italienische Oppositionschef und Ex-EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in einem Beitrag für die Pariser Tageszeitung "Le Figaro" (Mittwochausgabe).

In Frankreich findet am 29. Mai ein Referendum über die Verfassung statt. In Umfragen liefern sich Befürworter und Gegner der Verfassung ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Im schlimmsten Fall würde Nein Beginn der größten Krise unserer gemeinsamen Geschichte bedeuten

"Das Nein würde im besten Fall einen Status quo bedeuten, im schlimmsten Fall den Beginn der größten Krise unserer gemeinsamen Geschichte, ohne Zweifel das Ende dieser Integration a la francaise, von der wir bisher profitieren konnten", schreibt Prodi, der von 1999 bis 2004 die EU-Kommission leitete. "Die Europäer brauchen ein führendes und visionäres Frankreich, Protagonist eines europäischen Projekts in der Gruppe der Länder, die dieselbe Vision des Europa und der Welt von morgen teilen", meint der ehemalige italienische Ministerpräsident weiter.

"Ohne Frankreich würde dieses Projekt ein Waise werden, es würde aufhören zu wachsen und sich in das verwandeln, was die Befürworter des Nein vermeiden zu wollen behaupten: In einen großen Markt ohne politische Union und ohne soziale Dimension, einen Währungsraum ohne wirkliche Regierung, ein Normensystem ohne gemeinsame Rechte und Pflichten", liest man in dem Text weiter. "Ein Nein von Frankreich würde von den Partnern als ein Nein zu Europa interpretiert werden", schreibt Prodi. (APA)

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