254.000 Euro für Feier: Reine Ermessenssache

19. Mai 2005, 08:50
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Schuldirektor von Untreue freigesprochen

Graz - Der Freispruch im Fall jenes Grazer Schuldirektors, dem vorgeworfen wurde, für eine Jubiläumsfeier zu viel Geld ausgegeben zu haben, ist nun rechtskräftig.

Wie der Leiter der Staatsanwaltschaft, Horst Sigl, am Dienstag mitteilte, hat die Anklagebehörde ihre angemeldete Nichtigkeitsbeschwerde zurückgezogen.

Feuerwerk

Dem Grazer Schuldirektor wurde zur Last gelegt, für die 125-Jahr-Feier seiner Schule im Juni 2001 zu viel Geld ausgegeben zu haben. Bei dem Multimediaspektakel mit dem Titel "Traumtänzer" hatte er es nur an Wenigem fehlen lassen: Musikstücke wurden in Auftrag gegeben, Choreografien einstudiert, Schauspieler engagiert, ein Feuerwerk bestellt, eigene Münzen geprägt und ein riesiges Zelt aufgestellt.

Die Staatsanwaltschaft warf dem Schulleiter Kosten in Höhe von 254.632 Euro vor. Der Direktor hielt stets dagegen, alle Kosten seien mit den dafür zuständigen Gremien abgesprochen gewesen. Im Februar 2002 erstattete jedoch der steirische Landesschulrat Anzeige.

Das Verfahren zog sich über Monate hin, bevor im Dezember 2004 ein Freispruch gefällt wurde. Die Richterin begründete ihre Entscheidung damit, dass es Ermessenssache sei, wie viel Geld für eine Schulfeier ausgegeben werde, Richtlinien dafür gebe es nicht.

Nun hat die Staatsanwaltschaft "über Auftrag der Oberstaatsanwaltschaft", wie Sigl betonte, die Nichtigkeitsbeschwerde dagegen zurückgezogen. "Der Erfolg eines Rechtsmittels wurde von uns höher bewertet als von der Oberstaatsanwaltschaft", erläuterte Sigl. Der Direktor ist nun rechtskräftig vom Vorwurf der Untreue freigesprochen. Gegen ihn ist allerdings noch ein schulinternes Disziplinarverfahren anhängig, das erst entschieden werden muss. (APA, DER STANDARD Printausgabe, 18.05.2005)

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