Ogilvy regiert mit

18. Mai 2005, 16:28
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Kanzleramt vergab Werbe-"Rahmenvertrag"

Wien - Unter einer Million Euro waren es nie, im Antrittsjahr 2000 sogar 2,8 Millionen, im Jahr darauf 3,6 Millionen Euro: Das Bundeskanzleramt gibt pro Jahr große Summen für die so genannten "Informationskampagnen" der Regierung aus. Die beiden größten Kampagnen vertrauten Kanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und seine Öffentlichkeitsarbeiter dabei immer ein und derselben Agentur an: Ogilvy & Mather. Das geht aus einer Anfragebeantwortung des SPÖ-Abgeordneten Kurt Gartlehner hervor.

Ogilvy zeichnete sowohl für die "Informationskampagne" zur Budgetkonsolidierung wie für die zur EU-Erweiterung verantwortlich. Gesamtkosten: 3,3 Millionen und 3,1 Millionen Euro. Zufall oder nicht: Schüssels langjähriger Pressesprecher Florian Krenkel ist seit Herbst letzten Jahres Geschäftsführer von Ogilvy Österreich. Für die Kampagnen wurde mit Ogilvy "als Bestbieter, nach Durchführung eines Verhandlungsverfahrens im Oberschwellenbereich mit vorheriger öffentlicher Bekanntmachung, ein Rahmenvertrag abgeschlossen. Der Agentur wurde ein jährlicher Budgetrahmen bekannt gegeben, innerhalb dessen einzelne Informationsmaßnahmen beauftragt werden", heißt es in der Anfragebeantwortung.

Bis 2002 konnte sich übrigens auch eine weitere prominente Werbeagentur in Kanzleramtsnähe halten: Publico, dessen Chef Wolfgang Rosam nach der Wende für kurze Zeit zum Schüssel-Berater avancierte, hatte von 2000 bis 2003 die "Euro-Informationskampagne" (Auftragswert rund 3,2 Millionen Euro) über. Seitdem kamen neben Ogilvy die Agenturen Hochegger, GPK und pi-five zum Zug.

Freizügig ist das Kanzleramt mit derartigen Detailinformationen allerdings nicht: Gartlehner musste gleich zwei Anfragen an Schüssel stellen, bis er eine ausführliche Antwort erhielt. (tó/DER STANDARD, Printausgabe, 18.05.2005)

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