Eine Million Laster zu viel am Brenner

25. Mai 2005, 08:35
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Schadstoffbelastung steigt weiter

Innsbruck - Eine Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums geht von einer weiteren dramatischen Steigerung der Stickoxidbelastungen auf der Tiroler Transitroute zwischen Kufstein und dem Brenner aus. Demnach werden für 2006 zwischen 133 und 260 Prozent jenes Basiswertes erwartet, der als Bezugspunkt in Österreichs EU-Beitrittsvertrag von 1994 steht. In diesem war eine Senkung der Schadstoffbelastung bis 2003 um 60 Prozent vereinbart worden.

Das Gutachten "Lkw-Transitverkehr durch Österreich: Bilanz und Ausblick" prognostiziert die 260 Prozent "unter realistischen Annahmen" und wurde bereits vor einem Jahr der österreichischen Klage gegen EU-Rat und EU-Parlament vor dem EuGH beigelegt. Veröffentlicht hat das Horrorszenario allerdings nun Fritz Gurgiser vom Transitforum im Vorfeld der "Bürgerversammlung" auf der Inntalautobahn bei Vomp am Freitag kommender Woche.

EuGH schweigt

Der EuGH schweige zu diesen gesundheitsbedrohenden Fakten, kritisiert Gurgiser und sei zugleich im Schnellzugstempo unterwegs, wenn es um die Interessen der Transportwirtschaft gehe. Eine Ursache für dieses Missverhältnis sei der "mangelnde Druck" durch Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ).

Von den mehr als zwei Millionen Transitlastern sei eine Million zu viel, meint Gurgiser und stellt eine klare Rechnung auf: 500.000 hätten auf der Bahn Platz, 600.000 bis 800.000 als Schweizer Umwegtransit "haben bei uns nichts verloren".

Als Fehler bezeichnet Gurgiser den Vergleich zwischen der Asfinag und einem Frächter wegen der "überhöhten Brennermaut" zwischen 1995 und 2001, der Mautrückzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe nach sich ziehen wird. Den Frächtern sei damals kein Schaden entstanden, meint Gurgiser, weil sie nach eigenen Angaben ihre Kosten an die Konsumenten weitergeben würden. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 18.05.2005)

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