Gratis parken statt Pluspunkte in der Linzer Innenstadt

23. Mai 2005, 09:07
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Der "Linz-Chip", angepriesen als Vorteilskarte für die Linzer City, wurde wegen mangelnder Kundennachfrage ein Flop

Linz – Im Dezember 2002 wurde der "viel versprechende" Linz-Chip eingeführt. Wirtschaftskammer (WK) und Stadt Linz beteiligten sich an dem bis dahin "österreichweit einzigartigen Projekt zur Kundenbindung. Über den auf Bankomatkarten integrierten Chip konnte man "Bonuspunkte" sammeln. Pro Einkauf, egal ob bar oder mit Karte, wurden diese auf den Chip gebucht. Die gesammelten Einheiten konnten dann in Geschäften, Kinos, Museen und städtischen Schwimmbädern eingelöst, oder gegen verbilligte Parkmünzen eingetauscht werden.

"Selbststolperer"

Die Bilanz nach zwei Jahren: Die 109.009 Euro, die die Stadt in die Einführung des Linz-Chips gesteckt hatte, rechneten sich ebenso wenig wie ihre 46-prozentige Beteiligung an der Chip-Gesellschaft. "Der Linz-Chip ist kein Selbstläufer, sondern ein Selbststolperer", formulierte es Finanzstadtrat Johann Mayr (SP). Warum der Chip die Bewährungsprobe nicht bestanden hat, erklärt Leo Schiefer, Obmann des Linzer City- Rings. Der Verein der Innenstadthändler bot den Chip in seinen Geschäften an. Für diese sei aber kein Nutzen herausgesprungen, deshalb verzichteten viele nicht auf ihre Kundenkarten. "Bei zwei Systemen wollten die Käufer nicht mitmachen", sagt der City-Ring-Obmann.

Ende April trat die Stadt Linz aus der Gesellschaft aus. Gestern, drei Wochen später, stellte Bürgermeister Franz Dobusch (SP) die neue "Wirtschaftsförderungsmaßnahme" vor: "Gratis parken in Linz." Ab einem Einkauf von 20 € erhalten Kunden eine Parkmünze im Wert von 50 Cent (reicht für 30 Minuten parken) gratis. Dies gilt nur für Geschäfte, die Mitglied des Linzer City-Rings sind. Gestartet wird mit 1. Juli. Eine Million dieser Parkmünzen soll es erst einmal geben. Für diese Gratisaktion zahlt die Stadt 300.000 Euro, den Rest die Unternehmer.

Parkmünzen retour

Derartige Parkmünzen gab es bereits in Linz, sie wurden allerdings vom Chip abgelöst. Für Schiefer ist die Rückkehr der Parkmünzen nicht mehr als ein "Dankeschön an die Kunden". Das Thema Parken sei für ihn nur "drittrangig in der Diskussion über die Kaufkraft der Innenstädte". Mit Branchenmix, Angebot und Beratung könnten diese gegenüber den Shopping-Centern punkten. Und mit dem "städtischen Leben, abseits der Geschäfte", ist sich Schiefer sicher, der selbst in der Innenstadt lebt.

Um die Kaufkraft, so gibt ihm das Institut Infrapool recht, muss sich der Handel in der Linzer Landstraße keine allzu großen Sorgen machen. Laut Frequenzerhebung verliere die Landstraße seine Kunden nicht an die großen Einkaufszentren Uno-Schopping oder Plus-City vor der Stadt. 215.000 Passanten zählte Infrapool pro Woche am besten Standort in der Landstraße vor der Kette H&M. Nur am Wiener Stephansplatz (274.700) und der Mariahilfer Straße (230.000) liegt die Wochenfrequenz höher. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 18.05.2005)

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