Mozarteum fordert Gelder vom Land

19. Mai 2005, 19:50
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Ab 2009 droht Schließung ganzer Institute

Salzburg - "Olympia ist ja ganz nett, aber Salzburg ist nicht als Olympiastadt groß geworden." Der Rektor der Kunstuniversität Mozarteum, Roland Haas, macht im STANDARD-Gespräch aus seinem Frust über die Landes-und Stadtpolitik kein Geheimnis: Stadt und Land würden sich ihrer Verpflichtung gegenüber der Kunstuni entziehen, klagt Haas. Er fordert, dass beispielsweise jene Lehrenden, die im Zuge von Vorbereitungskursen talentierte Kinder unterrichten, in Hinkunft vom Land finanziert werden - "wie in anderen Bundesländern die Landeskonservatorien auch". Mit den so "für Salzburger Kinder" finanzierten zehn Lehrkräften könnte man den Haushalt des Mozarteums um rund eine Mio. Euro jährlich entlasten.

Anlass der Initiative des Mozarteum-Chefs ist die prekäre Finanzlage der Hochschule. Jährlich fehlen zwischen zwei und drei Millionen Euro, das sind immerhin knapp zehn Prozent des Gesamtbudgets. Verantwortlich dafür seien die hohen Personalkosten, erläutert Haas. Der in der Kunst nötige Einzelunterricht sei besonders personalintensiv. Am Mozarteum stehen den rund 1400 Studenten 400 Lehrende - davon 120 Professoren - gegenüber. Dazu komme, dass die Unis vom Bund zwar in die Autonomie entlassen worden seien, gleichzeitig aber das Beamtendienstrecht - Unkündbarkeiten und teure Biennalsprünge inklusive - weiter gelte.

Bis 2009 hofft Haas zwar mit dem Abbau von Lehraufträgen, der Reduktion des Angebotes oder der Durchforstung freiwilliger Sozialleistungen einigermaßen "eine schwarze Null" halten zu können, danach sei aber nicht einmal mehr die Schließung ganzer Institute ausgeschlossen. In Diskussion stehen seit Längerem der Bereich Schauspiel, die Kunst- und Werkerziehung und sogar das renommierte Orff-Institut. (neu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.5.2005)

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