So klein kann der Bildschirm gar nicht sein ...

24. Mai 2005, 20:31
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In Japan wird Literatur-"Genuss" per Handy immer beliebter - von Horror-Stories bis zu Klassikern ist alles im Programm

Tokio - Allein schon beim Gedanken, einen längeren Text auf dem Handy-Bildschirm lesen zu müssen, werden vielen Menschen die Augen schmerzen. In Japan erfreut sich Literatur auf dem Mobiltelefon aber immer größerer Beliebtheit. Es gibt inzwischen zahlreiche Mobile-Web-Sites, die hunderte Bücher anbieten, von Klassikern über Bestsellern bis zu Werken, die speziell für das neue Medium geschrieben wurden.

Die Handy-Lektüre ist gewöhnungsbedürftig. Wegen des kleinen Bildschirms sind immer nur ein paar Zeilen zu sehen. Aber dank der immer besser werdenden Displays und intelligenter Lösungen für das Scrollen, das schnelle Blättern in einem Text, fällt das Lesen leichter, als vielleicht zu vermuten wäre. Die neuen Folgen der Handy-Literatur werden immer in kurzen Abschnitten heruntergeladen. Wer will, trägt immer eine kleine Bibliothek bei sich, in der man jederzeit blättern kann, ob zu Hause oder in der Bahn. "Man kann in jedem freien Moment lesen und dazu muss man noch nicht einmal beide Hände benutzen", sagt Taro Matsumura, ein 24-jähriger Student.

Breites Angebot

Das neue Medium stößt inzwischen auch in Südkorea und China auf Interesse. In Japan sind einige Menschen schon regelrecht süchtig nach den Geschichten auf dem Handy. Besonders Horror-Geschichten bekämen hier ihren eigenen Reiz, sagt Satoko Kajita, der bei Bandai Networks für die Entwicklung des Angebots zuständig ist. Die Firma aus Tokio bietet derzeit rund 150 Titel auf ihrer Web-Site "Bunko Yomihodai" an. Das Projekt gibt es schon seit 2003, im vergangenen Jahr wuchs das Interesse besonders stark, so dass es jetzt rund 50.000 Abonnenten gibt.

Einer Marktstudie von Bandai zufolge sind mehr als die Hälfte der Leser Frauen und viele von ihnen lesen ihre Handy-Bücher zu Hause. Etwas überraschend ist die große Beliebtheit von Klassikern. Gefragt sind aber auch Sexratgeber und andere Bücher, mit denen viele sonst nicht gesehen werden wollen. Weit verbreitet sind auch elektronische Wörterbücher.

Im Vergleich zu Klingeltönen oder Handy-Spielen seien die Bücher noch ein Nischenmarkt, sagt Yoshiteru Yamaguchi von Japans führendem Mobilfunkanbieter NTT DoCoMo. Aber es sei nicht länger etwas völlig Abwegiges. In Japan ist die Kulturform schon anerkannt.(APA/AP)

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