Die friedfertige Antisemitin?

21. Mai 2005, 11:27
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Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus - Vortrag und Diskussion mit Ljiljana Radonic

Haben Frauen dasselbe Bedürfnis wie Männer, unerlaubte Regungen auf „Sündenböcke“ zu projizieren oder sind sie zu aggressivem Verhalten und Antisemitismus gar nicht fähig? Sind Frauen tatsächlich das „friedfertige Geschlecht“ wie M. Mitscherlich behauptet? Jahrelang hat die „neue Frauenbewegung“ im Sinne einer identitätsstiftenden Geschichtsschreibung ein positives Bild von „der Frau“ im NS gezeichnet, was nicht selten zu einer den Holocaust verharmlosenden und antisemitischen Argumentation führt(e).

Entgegen der Tatsache, dass Frauen als KZ-Aufseherinnen, Denunziantinnen oder Fürsorgerinnen an der antisemitischen Ausgrenzung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden begeistert mitwirkten, werden sie in feministischen Schriften oft auch, im Widerspruch zu dem obigen positiven Bild, gerne als auf die Mutterrolle reduzierte „Gebärmaschinen“ (Renate Wiggershaus) dargestellt. Während 1988 zum Jahr des Holocausts an den Frauen erklärt wurde, gaben feministische Theologinnen dem Judentum die Schuld am Untergang des Matriarchats, dem Patriarchat weiters die Schuld am Nationalsozialismus… Wie die Schuldkette weitergeht, kann man bei Gerda Weiler nachlesen – ein feministischer Fall von Täter(innen)-Opfer-Umkehr.

Ist dem feministischen Opfermythos seine Grundlage entzogen, so lässt sich auf Basis einer kritischen Theorie des Antisemitismus die Frage stellen, ob der Antisemitismus bei Frauen und Männern die gleichen Bedürfnisse befriedigt, oder ob entsprechend der verschiedenen Geschlechterrollen unterschiedliche Inhalte projiziert werden. Und welche Rolle spielt dabei die Entwicklung zu einer „vaterlosen Gesellschaft“, in der charakterlose Charaktere die autoritäre Persönlichkeit ablösen?

Ljiljana Radonic ist Lehrbeauftragte am Wiener Institut für Politikwissenschaft. „Die friedfertige Antisemitin? Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus“ ist 2004 im Peter Lang-Verlag erschienen.

Einer Veranstaltung von Café Critique und der Studienrichtungsvertretung Politikwissenschaft. (red)

Am Mittwoch, dem 25.5., um 20 Uhr, im NIG, Universitätsstr. 7, HS II (Erdgeschoss), Wien.
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