Interview: Rapid-Präsident Edlinger

24. Mai 2005, 20:07
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Ex-Finanzminister sieht durch Meistertitel kontinuierliche Arbeit bestätigt und dachte nie an Rücktritt

Wien - Im Oktober 2001 war Rudolf Edlinger zum Präsidenten des österreichischen Fußball-Rekordmeisters SK Rapid gewählt worden und hatte unmittelbar danach angekündigt: "Wir wollen den Meistertitel innerhalb von drei Jahren dorthin zurückholen, wo er hingehört. Nach Hütteldorf!" Mit einigen Monaten Verspätung hat der ehemalige Finanzminister nun sein Versprechen eingelöst.

APA: Haben Sie bei Ihrem Amtsantritt wirklich geglaubt, dass Rapid so bald wieder Meister wird?
Edlinger: "So richtig überzeugt war ich davon nicht, immerhin waren wir damals weit abgeschlagen. Aber irgendwelche Ziele muss man sich stecken, und dass man als neuer Rapid-Präsident sagt, man will Fünfter werden, ist auch nicht das Wahre."

APA: Wer sind die Väter des Erfolges?
Edlinger: "Den Hauptanteil hat die sportliche Führung. Aber bei uns stimmt im Augenblick alles. Es ist einfach schön, dabei zu sein. Alle miteinander haben diesen Aufstieg erarbeitet."

APA: Dabei hallten noch vor zwei Jahren Anti-Edlinger-Sprechchöre durchs Hanappi-Stadion. Haben Sie damals einen Rücktritt in Erwägung gezogen?
Edlinger: "Nein. Wenn ich eine Aufgabe übernehme, dann übernehme ich sie. Durch Wellentäler muss man einfach durch. Im Sport muss man Größe und Standhaftigkeit haben."

APA: Welchen Stellenwert hat der Meistertitel für Sie?
Edlinger: "Für mich persönlich bedeutet er, dass sich kontinuierliche Arbeit auszahlt und dass alle im Verein das gleiche Ziel ohne Winkelzüge angestrebt haben. Ich habe den Eindruck, im Verein mögen sich alle."

APA: Eine erfolgreiche Titelverteidigung wird angesichts der wirtschaftlichen Möglichkeiten von Austria und Salzburg nicht einfach. Wie wollen Sie der finanziellen Übermacht dieser Klubs entgegentreten?
Edlinger: "So wie bisher, mit dem entsprechenden Engagement und Herz. Geld erleichtert zwar die Führung eines Vereins, spielt aber nicht Fußball. Wir haben in der Liga immerhin das dritthöchste Budget. In Schulden werden wir uns sicher nicht stürzen. Die einen kaufen Stars, die anderen machen sie.

APA: Wie groß ist die Gefahr, dass einige Leistungsträger Rapid nach Saisonende verlassen?
Edlinger: Tatsache ist, dass unsere wichtigsten Spieler Verträge haben, die nicht mit Saisonende auslaufen. Wenn es für gewisse Spieler lukrative Angebote gibt, muss man abwägen. Ich lasse das aber auf mich zukommen, im übrigen ist Peter Schöttel als Sportdirektor damit betraut. Ich persönlich habe den Eindruck, dass alle Kicker sehr gern bei Rapid spielen."

APA: Wie schauen die Pläne für die Zukunft aus?
Edlinger: "Jetzt wollen wir diesen Erfolg einmal genießen. Wir sind noch im Cup und außerdem im Sommer in der Champions-League-Qualifikation dabei. Über unsere Ziele für die nächste Saison werden wir später in Ruhe nachdenken."

APA: Welche Gratulanten haben sich bereits eingestellt?
Edlinger: "Die ersten Glückwünsche aus der Branche habe ich von (GAK-Präsident) Rudi Roth erhalten, außerdem kamen noch Gratulationen unter anderem von (Mattersburg-Obmann und Bundesliga-Vize) Martin Pucher und (Austria-Vize) Andreas Rudas. Auch (Bundespräsident) Heinz Fischer, (Grünen-Vize-Chefin) Eva Glawischnig und (der Wiener Bürgermeister) Michael Häupl haben gratuliert. Vom Austria-Fan Häupl habe ich übrigens wegen einer Wette eine Flasche Brunello gewonnen, die wir gemeinsam austrinken werden." (APA)

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