Geiselnehmer droht Todesstrafe

19. Mai 2005, 16:29
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Einziger überlebender Beslan-Terrorist beteuert: Habe niemanden umgebracht - Mit Infografik

Moskau - Dem überlebenden Geiselnehmer in der südrussischen Stadt Beslan droht die Todesstrafe. Acht Monate nach dem blutigen Geiseldrama in einer Schule begann am Dienstag der Prozess gegen den einzigen gefangenen Geiselnehmer. Der 24-jährige Tschetschene Nurpaschi Kulajew muss sich vor dem Gericht der Stadt Wladikawkas wegen Mordes, Terrorismus und Geiselnahme verantworten.

Nach dem Gesetz drohe dem Angeklagten eine lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe als Urteil, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Nikolai Schepel in Wladikawkas. Bei dem Geiseldrama im Nordkaukasus waren Anfang September 2004 mehr als 330 Menschen getötet worden, mehr als die Hälfte davon Kinder.

"Ich habe niemanden umgebracht"

Der angeklagte Kulajew hat seine Beteiligung an der Geiselnahme zwar zugegeben, bestreitet jedoch, jemanden getötet zu haben. "Ich habe niemanden umgebracht. Obwohl ich eine Maschinenpistole hatte, habe ich nur in die Luft geschossen", beteuerte Kulajew in früheren Verhören. Er sei für die Erstürmung eines Gebäudes angeworben worden und habe nicht gewusst, dass Kinder als Geiseln genommen werden sollten. "Hätte ich gewusst, dass es so kommt, hätte ich lieber meine eigenen Kinder getötet", sagte der Tschetschene nach Medienberichten. Die Verhandlung soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Russland hatte nach dem Beitritt zum Europarat 1996 ein Moratorium für die Vollstreckung der Todesstrafe verhängt. Das Strafgesetzbuch wurde bis heute aber nicht entsprechend geändert.

Selbstmordaktion

Zahlreiche Verhöre Kulajews sowie mutmaßlicher Helfershelfer hätten ergeben, dass die Geiselnahme von Anfang an als Selbstmordaktion geplant gewesen sei, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Rande des Prozesses der Agentur Interfax. Die Führung der betroffenen Teilrepublik Nordossetien war von Angehörigen der Opfer dafür kritisiert worden, dass mit den Terroristen nicht über eine Freilassung der Geiseln verhandelt worden war.

Vor dem weiträumig abgesperrten Gerichtsgebäude forderten Angehörige der Opfer eine endgültige Aufklärung der Umstände, die zur blutigen Eskalation des Geiseldramas führten. "Wir wollen die Wahrheit wissen", stand auf einem Plakat. Bis heute ist nicht endgültig geklärt, wie die Terroristen ungehindert weit mehr als 1000 Menschen in ihre Gewalt bringen konnten und weshalb die Geiselnahme am dritten Tag in einem Blutbad endete. Ein ursprünglich für März angekündigter Abschlussbericht der parlamentarischen Untersuchungskommission zu Beslan steht bis heute aus. (APA/dpa)

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    Von der Schule von Beslan blieb nur eine Ruine

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    Kulajew bei seiner Festnahme

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    Nurpaschi Kulajew im Gerichtssaal

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    Geiseldrama in Beslan

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