Benes-Statue vor Außenministerium enthüllt

21. Mai 2005, 19:28
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Premier Paroubek: "Präsident-Erbauer" genoss großes Ansehen in der Öffentlichkeit

Prag - Vor dem tschechischen Außenministerium ist am Montag ein Denkmal des früheren tschechoslowakischen Staatspräsidenten Edvard Benes enthüllt worden. Mehrere tschechische Spitzenpolitiker nahmen an der Zeremonie am Prager Innenstadtplatz "Loretanske namesti" teil, um jenes Präsidenten zu gedenken, der in Österreich und Deutschland vor allem wegen der nach ihm benannten Benes-Dekrete bekannt ist. Sie galten nach dem Zweiten Weltkrieg als Grundlage der Vertreibung und Enteignung der Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei.

Der tschechische Ministerpräsident Jiri Paroubek würdigte Benes als einen "Präsidenten-Erbauer", der bei schicksalhaften historischen Momenten der Tschechoslowakei dabei gewesen sei. Benes habe großes Ansehen in der Öffentlichkeit, besonders im Zweiten Weltkrieg, genossen.

Kritik

Der Vorsitzende des Prager Abgeordnetenhauses, Lubomir Zaoralek, erinnerte daran, dass Benes bei der Gründung einer demokratischen Tschechoslowakei mit seinem Vorgänger Tomas Garrigue Masaryk gewesen sei. Benes war tschechoslowakischer Staatspräsident in den Jahren 1935 bis 1948. An der Gedenkveranstaltung nahm auch der Chef der oppositionellen konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS), Mirek Topolanek, teil.

Die Benes-Statue wurde einen Tag vor dem Besuch des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder in Tschechien und unmittelbar nach dem Pfingsttreffen der Sudetendeutschen in Augsburg enthüllt, wo das Denkmal im Vorfeld scharf kritisiert worden war. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte dies als einen "klaren Verstoß gegen gut nachbarschaftliche Beziehungen" bezeichnet. Der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ), Gerhard Zeihsel, hatte zuvor über eine "Provokation aus Prag" gesprochen.

Das Benes-Denkmal ist die Kopie einer Statue, deren Original einst im Pantheon des Prager Nationalmuseums stand, später jedoch auf Anordnung der kommunistischen Behörden beseitigt und jahrzehntelang in einem Depot gelagert wurde. Ursprünglich wollte man die Statue wieder im Nationalmuseum aufstellen, schließlich wurde jedoch "Loretanske namesti" ausgewählt. Der Grund: Benes sei als Chefdiplomat in den Jahren 1918 bis 1935 der Schöpfer der tschechoslowakischen Außenpolitik gewesen. Er habe das Czernin-Palais von einer Kaserne in das Außenministerium umbauen lassen, hieß es. (APA)

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