Siegerprojekte im Bundesländerfinale

16. Mai 2005, 21:26
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HAGENBERG

Initiativ und stressresistent "Es war eine große Überraschung für uns, dass wir "erste geworden sind", beschreibt Stephan Mühlbacher (19) den Sieg seines Projekts "Mobile Home Control" in der Kategorie Technics. Vor der Präsentation bei der Landesausscheidung habe seine Gruppe technische Probleme gehabt, alles habe sich verzögert und zudem seien die Gegner sehr gut gewesen. Doch bei der Landesausscheidung von Oberösterreich in Hagenberg am 2. Mai konnten sie trotzdem siegen. Mit einem enormen Zeitaufwand arbeitete er mit vier Mitschülern an einem System, mit dem über Internet Geräte aus- und eingeschaltet werden können. "Ein Licht, eine Lampe, ein Lied und das von überall auf der Welt aus", erklärt Mühlbacher das erzielte Ergebnis.

In der Kategorie Classics erzielte das Projekt "Marrok" den ersten Platz. Die vier Maturanten der Bundeshandelsakademie Steyr, selbst Mitglieder einer Band, entschieden sich, ihr Know-how an unerfahrene Jungbands weiterzuvermitteln. So entstand eine Community, über die auch Muster von Plattenverträgen heruntergeladen werden können. "Ich war sehr überrascht", schildert der betreuende Lehrer Karl Piaty das Ergebnis, denn die Schüler hätten das Projekt sehr selbstständig erledigt. Piaty zeigt sich sehr zufrieden: "Sie haben mich und anscheinend auch die Jury sehr beeindruckt." Ein Punkt, den Organisatorin Irina Slosar spürte. Denn nicht nur die für das Bundesfinale nominierten Projekte, sondern auch viele andere Einreichungen hätte ein technisches Niveau, das man eher nur einer HTL zutrauen würde. Und das trotz oder gerade wegen "der großen Eigeninitiative der Schüler", lobt Slosar.

INNSBRUCK Fachwissen selbst erarbeitet

"Feedback ist uns wichtig, davon haben wir zu wenig - da tat das Feedback der Jury gut", beschreibt der 21-jährige Maturant Martin Borer der HAK Feldkirch die Landesausscheidung für Salzburg, Tirol und Vorarlberg, die am 3. Mai in Innsbruck stattfand. Er und Robert Hawke (19) gewannen den ersten Platz in der Kategorie Classics. Ihre "Schulhomepage" sei etwas ganz Besonders, betont Borer: "Denn jeder Lehrer hat dadurch eine Plattform." Doch auch der Zweitplatzierte ist zum Bundesfinale eingeladen worden. "Die beiden Projekte waren gleich gut", erklärt Irina Slosar. Dennoch sei es die Entscheidung der Jury gewesen, das Projekt "Datenbankunterstütztes dynamisches Schul-CMS" von Andreas Grill vom BRG Landeck auf den zweiten Platz zu rücken, weil es ohne Team erstellt wurde. Doch: "Die Welt braucht auch Einzelkämpfer", weiß Slosar.

In der Kategorie Technics gibt es hingegen tatsächlich zwei Sieger. Eine der Trophäen ging an das Projekt "Verkehrsberuhigung an Kreuzungen mittels künstlicher Intelligenz" der HTL Anichstraße. "Wir wollten kürzere Wartezeiten an Straßenkreuzungen", erklärt David Haschka (19), Leiter des vierköpfigen Teams. "Wir sind auf die künstliche Intelligenz gestoßen", womit kleine Ultraschallsensoren die Fahrzeuge erfassen und die Ampelzeiten berechnen sollen. Das zweite Siegerprojekt von vier Maturanten der HTL Dornbirn ist ein Videoserver: "VSP - Versatile Streaming Project".

Das komplexe System ermöglicht digitales Fernsehen per Netzwerkanschluss, erklärt Teamleiter Julian Rojas. "Es war Neuland für uns", so Rojas, doch das Team habe sich "nach dem Motto Learning by doing viel erarbeitet".

KLAGENFURT

Wachsendes Niveau

"Das Niveau der Gewinner geht weit über das Maturaniveau hinaus", ist Jurymitglied Jürgen Schussmann, Lehrender an der Fachhochschule Technikum in Kärnten, von der Landesausscheidung für Kärnten und Steiermark am 11. Mai überrascht. Die Qualität der eingereichten Projekte führt Schussmann auf die enge Kooperation mit der Wirtschaft zurück, deren Impulse das Niveau steigern würden. In der Kategorie Classics gewann die Homepage "VIPGAST", die eine Anlaufstelle für Winzer und Interessierte darstellt. Neben Wein werden "Geschenke und Spirituosen angeboten", erklärt August Malle (19) sein Projekt, das er mit Ralph Dörflinger (19) erstellte. Obwohl er das Projekt für die Matura machen "musste", betont Malle, dass es eine "interessante Erfahrung" war.

Die Wirtschaftsnähe der Cyberschool-Projekte sei bei allen Landesausscheidungen bemerkbar gewesen, erschwere aber auch hin und wieder die Arbeit. "Es gibt sehr viele Vorgaben", sagt Cyberschool-Organisatorin Irina Slosar. "VIPGAST" sei aber sehr gut gelungen, es funktioniere wie Amazon und "das ist ja fast zu perfekt", lobt Slosar weiter.

In der Kategorie Technics gewann das Projekt "Neurotrol - Brain Computer Interface" eines dreiköpfigen Maturantenteams der HTBL Mössingerstraße, das es zustande brachte, dass einfache Operationen durch Gedanken gesteuert werden können.

Der Jury fiel die Entscheidung für diese Platzierung nicht leicht. "Die Projekte liegen sehr eng beieinander", erklärt Schussmann. Grund dafür sei das generell sehr hohe Niveau. "Der Unterschied vom ersten zum dritten Platz ist gering", betont der Juror.

WIEN

"Handfeste" Beiträge

Clemens, ein interaktiver Bär, begleitet gehörlose Kinder - einzig mit einer Maus ausgerüstet - durch die drei Module: Sprechen, Buchstabieren und Gebärden. "Das Kind muss Mundbilder erkennen, daneben kann es sich eine Urkunde als Bestätigung ausdrucken", erklärt Susanne Küffer (19), Maturantin der HTBL Pinkafeld. In Kooperation mit dem Bundesinstitut für Gehörlose arbeiteten Küffer und ihre Kollegin Lara Spendier (18) etwa 1000 Stunden an ihrem Maturaprojekt.

Als sie erfuhren, dass es in diesem Institut keine Lernsoftware für gehörlose lernschwache Volksschulkinder gibt, entschieden sie sich: "Wir haben beide gesagt: Das hat einen Sinn, das machen wir", betont Küffer, die sich über ihren Cyberschool-Sieg in der Kategorie Classics bei der Landesausscheidung am 9. Mai für die Länder Wien, Niederösterreich und dem Burgenland freut. Der wirtschaftsnah besetzten Jury sei die Entscheidung nicht schwer gefallen, sagt Verena Krawarik von der Austria Presse Agentur.

Die erstellte Lernsoftware bezeichnet sie als richtiges Schulprojekt, von Schülern für Schüler: "Es war eine Kombination aus Technik, Kunst und sozialem Engagement", ergänzt Krawarik. In der technisch sehr anspruchsvollen Kategorie Technics siegte das Projekt "Vienna Interactive", das zuvor den Classics zugeordnet war, von der Jury aber upgegradet wurde. Dieses Projekt, ein interaktiver Stadtführer, wurde von einem dreiköpfigen Maturantenteam der HTL Spengergasse erstellt. Durch die "wirtschaftliche Komponente" und den technischen Anspruch sei die Jury von der "Komplexität und Gesamtheit" überzeugt worden, schildert Krawarik. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.05.2005)

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