Hlinka, der Mann aus dem Zentrum

24. Mai 2005, 20:03
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Der slowakische Mittelfeld-Spieler hatte einen großen Anteil an Rapids Titelgewinn

Wien - Gedanken darüber, ob es nicht fein wäre, einmal so richtig im Mittelpunkt zu stehen, hat sich Peter Hlinka noch nie gemacht. Das wäre reine Zeitverschwendung, sagt er. "Da ich noch nie im Mittelpunkt gestanden bin, weiß ich ja nicht, wie das ist."

Wobei dem 26-jährigen Slowaken schon klar ist, "dass sich der Fußball im Zentrum abspielt". Insofern steckt er mittendrin, er übt bei Rapid die Rolle des defensiven Mittelfeldspielers aus. Zwischen (hinter) den Geigern Hofmann, Ivanschitz und Martinez. Hlinka räumt möglichst weit vor dem eigenen Strafraum ab und auf, gewinnt also die entscheidenden Zweikämpfe, "um dann kreative Lösungen zu entwickeln". Die Kollegen sagen, "Hlinka hat eine überragende Saison hingelegt". Was den 1,90-Meter-Lulatsch innerlich freut. "Die defensiven Mittelfeldspieler sind oft der Schlüssel zum Erfolg, fallen der Öffentlichkeit aber nicht auf. Sie sind ruhige Typen. Frankreich wäre 1998 ohne einen Deschamps nie Weltmeister geworden."

Das Zentrum im Griff

Hlinka kennt das Zentrum. Vom Schach. Er spielt für den Klub Auhof um Meisterschaftspunkte, Parallelen zum Fußball drängen sich förmlich auf: "Es geht darum, möglichst früh das Zentrum zu beherrschen. Hast du es im Griff, kann dir nichts passieren."

Sein erstes Lebenszentrum war geburtsbedingt Presov in der Slowakei. Die war 1978 kommunistisch, die Buben hängten sich in den Sport rein, man wurde gefördert. Hlinka wollte einfach nur Fußballspielen. "Es gab keine Computer oder andere Dinge, die einen ablenkten." Sein Papa arbeitete als Förster, seine Mutter als medizinisch-technische Assistentin, die Kindheit, sagt er, "war schön und normal". Als er zehn Jahre alt war, kickte er längst bei Tatran Presov, und so nebenbei hat sich der Kommunismus verabschiedet. Hlinka blieb in Presov bei seinem Stammverein, wechselte von einer Nachwuchsmannschaft in die nächste und in die Erste, begann ein Studium der Elektrotechnik. 2000 wurde er von Sturm Graz verpflichtet. Dort konnte er sich nicht wirklich durchsetzen, für Bregenz reichte es allemal. Im Sommer 2004 holte ihn Josef Hickersberger zu Rapid. Hlinka: "Ich wollte zu einem Klub, in dem es um etwas geht. Die Chance, um einen Titel mitzuspielen, bekommt man nicht oft. Hat man sie, soll man sie nützen."

Fußball ist für Hlinka "ein Teamsport. Eigene Interessen muss man hintanstellen. Es geht darum, die Gemeinsamkeiten zu perfektionieren. Bei Rapid ist uns das geglückt. Der Teamgeist war der entscheidende Faktor".

Geträumt hat Hlinka nie. Nicht einmal vom großen Geld. "Natürlich kommt es auch darauf an. Der größte Luxus ist, wenn du dich wohl fühlst." Diesen Status habe er nun erreicht. Bei Rapid. Im Schachklub. Im Zentrum. (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 17.05.2005)

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    Peter Hlinka, ein wichtiger Mann der fern des Rampenlichts seine Tätigkeit vorzüglich verrichtet.

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