Kopf des Tages: Pepi Hickersberger

24. Mai 2005, 20:05
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Es gibt ein Leben nach dem Blitz - Trainer Hickersberger führte Rapid zum 31. Meistertitel

Über den 12. September 1990 kann Josef Hickersberger nach wie vor nicht lachen. Die Zeit, so gnadenlos ist sie, sucht sich die Wunden, die sie heilt, aus. Hickersberger wird Landskrona, diesen unbedeutenden Ort in Schweden, bis zum Lebensende meiden. Es sei denn, sie stellen dort einen Golfplatz hin. Was aber auszuschließen ist, insofern kann er seinen Prinzipien treu bleiben.

Es war das 0:1 gegen die Färöer, die spielten ihr allererstes Länderspiel, der Tormann trug eine dicke Pudelmütze. Hickersberger ist österreichischer Teamchef gewesen. "Ich las keine Zeitungen, dachte, ich bekomme nie wieder einen Job", sagt er 15 Jahre danach. "Ich fühlte mich wie vom Blitz getroffen, mein Weltbild war in Unordnung geraten."

Er behauptet und streitet dabei jegliche Koketterie ab, "dass ich ein besserer Fußballer war, als ich Trainer bin". Am 27. April 1948 in Amstetten als Sohn eines Sandalenfabrikanten geboren, entwickelte er ein ballesterisches Talent im Mittelfeld, das nicht im Gegensatz zu den schulischen Leistungen stand - der "Pepi" schaffte die Matura mit links. Die Austria war damals noch auf Zack, die Matura war befremdend, kein Hindernis. "Hicke" unterschrieb 1966 einen Profivertrag, wurde zweimal Meister, blieb bis 1972. Es folgten sechs Jahre Deutschland (Offenbach, Düsseldorf), 1978 wechselte er nach Innsbruck, um 1980 bei Rapid anzuheuern. "Die schönste Zeit." 1982, nach 39 Teameinsätzen (inklusive Córdoba!) und lange vor Landskrona, machte er Schluss. "Mit einem Meistertitel mit Rapid. Vielleicht hat sich jetzt ein Kreis geschlossen."

Die Trainerprüfung hatte er längst abgelegt, er wurde Sportchef beim Teletext, betreute legendäre Klubs wie Baden und Forchtenstein. 1987 holte ihn der ÖFB für die U-21, am 1. Jänner 1988 beerbte er Branko Elsner als Teamchef. Er schaffte die WM-Qualifikation (3:0 DDR), und dann schlug dieser aberwitzige Blitz aus Landskrona ein. Hickersberger pausierte, wanderte für sieben Jahre aus, jobbte in Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar. "Ich hatte Erfolg, verdiente Geld. Die arabischen Zeitungen konnte ich nicht lesen."

Ein Trainer, sagt er, könne nur dann gut sein, "wenn seine Arbeit von gegenseitigem Respekt getragen ist". Ziel sei, "die Spieler zur Eigenverantwortung zu erziehen. Wenn sie den Klub verlassen, sollen sie mich als einen, der sie weitergebracht hat, in Erinnerung behalten." Was mit Rapid nun geklappt hat, "dürfte auch bei meinen Kindern Thomas und Michaela funktioniert haben". Wobei es einen wesentlichen Unterschied gibt: "Die eigenen Kinder hat man länger."

Normalerweise, so Hickersberger, "soll man dann gehen, wenn es am schönsten ist. Für Rapid mache ich wohl eine Ausnahme." Und die Champions League findet sicher nicht in Landskrona statt. (DER STANDARD Printausgabe 17.05.2005)

Von Christian Hackl
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