Das Geschäft mit der Flugzeugwartung

26. Mai 2005, 19:48
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Zum D-Check ins Billiglohnland - Vor dem Wachstumsmarkt "Maintenance" macht aber auch der Kostendruck nicht Halt

Hamburg/Manila/Wien - Das weltweite Geschäft mit Flugzeugwartung umfasst ein Auftragsvolumen von rund 36 Mrd. Dollar (28,6 Mrd. Euro). Zwar ist "Maintenance" ein Wachstumsmarkt, der bis 2013 dank steigendem Flugverkehr auf 60 Mrd. Dollar jährlich wachsen soll. Aber der Kostendruck, mitausgelöst durch Billigflieger, macht auch vor der sensiblen Sparte Flugzeugwartung nicht Halt.

Outsourcing

Darum lagern immer mehr Airlines ihre Instandhaltung aus und geben ihrerseits die Preisforderungen an Wartungsbetriebe weiter. "Dieser Preisdruck ist enorm. Etwa in Europa durch die steigende Zahl von Billigfluglinien, aber auch in Asien, wo sich ebenfalls immer mehr Billigairlines aufstellen", erläutert August Wilhelm Henningsen, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik, dem weltgrößten Anbieter für Flugzeugwartung. Verbesserung ist nicht in Sicht. "Im Gegenteil, es entstehen immer mehr neue Wartungsbetriebe, welche sich mit extrem niedrigen Preisen Marktanteile erkaufen wollen." Überkapazitäten verzeichnet die Branche vor allem in den Sommermonaten, wenn alle Flieger im Einsatz sind und bis zur Hälfte der Kapazität der Wartungsindustrie ungenutzt bleibt.

Die teuerste Version der Flugzeugwartung ist die so genannte "Heavy Maintenance", etwa der alle fünf Jahre nötige D-Check, bei dem der Flieger in fünfwöchiger Stehzeit komplett überholt wird. Neben dem Material schlagen dabei Lohnkosten mit bis zu 85 Prozent der Gesamtkosten zu Buche. Immer mehr Airlines lassen darum diese Wartungsarbeiten in Billiglohnländern durchführen - ein Grund, warum Lufthansa Technik Tochterfirmen in aller Welt gegründet hat.

Joint Ventures in Billiglohnländern

So gibt es ein Joint Venture mit Air Malta für C-Checks - alle 15 Monate nötig - bei Boeing 737 und Airbus A320 in Malta. Lufthansa Technik Budapest übernimmt die Generalüberholung der gesamten AUA Airbus A320 Flotte. Lufthansa sendet ihre A340 zum D-Check in das ferne Manila, wo sich die 2000 Mitarbeiter der Lufthansa Technik Phillippines um die Jets kümmern. Dasselbe gilt auch für die heimische AUA, welche bereits den vierten Airbus A340 nach Manila zur Generalüberholung schickte - inklusive neuer Lackierung im neuen Austrian-Look.

Die um bis zu 80 Prozent niedrigeren Lohnkosten in Manila - bei LHT in Hamburg kostet eine Technikerstunde zwischen 65 und 120 US-Dollar - sowie die hohe Qualität der Wartung und des technischen Personals vor Ort rechtfertigen auch den 12-stündigen Überführungsflug in den Fernen Osten. Zwei weitere A340 der Austrian werden ebenfalls in Manila überholt. Um einen Teil der Treibstoffkosten hereinzubringen, wird auf diesen Leerflügen Fracht transportiert. Bis Ende April werden zudem drei Lauda Air Boeing 777 neben einen C-Check auch die Farben der Austrian Airlines in Peking bei AMECO erhalten, ein Joint-Venture von Lufthansa und Air China. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2005)

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