Zum Fliegen braucht A380 Platz am Boden

26. Mai 2005, 19:48
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In zwei Jahren soll der größte Ziviljet der Geschichte im Linienverkehr Dienst tun. Damit das Fliegen klappt, sind am Boden viele Vorbereitungen nötig

Wenn ein neues Flugzeug geboren wird, dann richtet sich die Aufmerksamkeit naturgemäß himmelwärts auf den ersten Flug. Aber damit aus dem neuen Riesenbaby von Airbus, der doppelstöckigen A380, eine Erfolgsstory der Lüfte werden kann, sind am Boden viele Vorbereitungen nötig.

Bei der Lufthansa Technik ist der Startschuss dafür schon lange vor dem ersten Testflug der A380 Ende April gefallen. Die hundertprozentige Tochter des Lufthansa-Konzerns wird nicht nur für die Wartung der zehn A380 bei der Lufthansa sorgen, die ab Ende 2007 schrittweise bis Anfang 2010 übernommen werden, sondern auch für eine Reihe anderer Kunden.

Die "Heimatbasis" der A380 in Europa wird ab diesem Sommer am Flughaften Frankfurt errichtet (siehe Bild). 50.000 m² groß - 350 mal 140 Meter - ist der Hangar, der ab 2007 bis zu vier A380 gleichzeitig für die nötigen Wartungen aufnehmen kann. Während die Luftfahrtbranche an der Grenze zum ruinösen Wettbewerb um jeden Kunden kämpft, ist Technik eine Sache der internationalen Kooperation: Anfang Juni wird unter anderem ein Vertrag zwischen Lufthansa und Air France über die Zusammenarbeit bei A380-Komponenten unterschrieben.

Catering im Oberstock

Anpassungen an den Riesenflieger sind in so gut wie allen Bereichen nötig, nicht nur beim Platz im Hangar und der Schulung von Technikern. "Das betrifft auch die Terminalgestaltung, die für den Flugbetrieb optimiert werden muss", erklärt Aage Dünhaupt, Sprecher der Lufthansa Technik. "Zum Beispiel: Wie kriege ich für das Catering des Oberdecks einen Lastwagen in 20 Meter Höhe?"

Welche (finanzielle) Bedeutung der Wartung des Fliegers zukommt, zeigt ein Blick auf die Betriebskosten: Mit einem Anteil von 24 Prozent liegen Wartungskosten bei Langstreckenjets an zweiter Stelle, nur vom 34-prozentigen Treibstoffanteil übertroffen; das Kabinenpersonal macht 16, die Cockpitcrew elf Prozent der Kosten aus. Schlüssel für den Betrieb des A380 ist seine digitale Infrastruktur, die laufend alle Funktionen im Flugzeug von den Triebwerken bis zur Kaffeemaschine überwacht. Störungen werden in Echtzeit an die Technik gemeldet, die bei der nächsten Landung bereits auf die nötigen Wartungen vorbereitet ist.

VIP-Ausstattung ist lukratives Geschäft

Für die Lufthansa ist die weltweit tätige Technik (24.000 Mitarbeiter in fast 30 Tochterunternehmen) ein überaus profitabler Teil des Konzerns geworden; 2004 lieferte sie bei einem Umsatz von 3,06 Mrd. Euro 227 Mio. Euro zum Konzernergebnis ab. Zwei Drittel des Umsatzes kommt von außerhalb der Lufthansa. Ein gewinnträchtiges diskretes Geschäft ist dabei die Ausstattung von Jets für die Superreichen dieser Welt - nicht nur kleine Privatflieger, sondern bis hin zum Jumbojet für Königshäuser. Auch hier finden die Vorbereitungen für die A380 schon statt - mit einer VIP-Ausstattung, die die Lufthansa Technik für Privatkunden anbietet. (Helmut Spudich aus Hamburg, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.5.2005)

  • Die "Heimatbasis" der A380 in Europa wird ab diesem Sommer am Flughafen Frankfurt errichtet.
    bild: lufthansa technik

    Die "Heimatbasis" der A380 in Europa wird ab diesem Sommer am Flughafen Frankfurt errichtet.

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