17.05.: Remmidemmi in den Bundestheatern

24. Mai 2005, 20:34
posten

Bachler gegen Holender, Springer verzweifelt

Staatsoperndirektor Ioan Holender schnaubte vor Wut. Denn schon wieder hatten Burgtheaterdirektor Klaus Bachler und dessen kaufmännischer Direktor Thomas Drozda eine Umverteilung der Mittel gefordert - von der Staatsoper hin zu Burg und Volksoper. Als Argument dient ein brisantes Papier der internen Revision der Bundestheaterholding, das unter Verschluss gehalten wird. Denn es stellt fest, dass der Schlüssel, nach dem die Basissubvention seit der Ausgliederung 1999 auf die Häuser verteilt wird, "nicht gesetzeskonform" errechnet worden sei.

Laut Gesetz hätten, so Bachler gegenüber dem profil, zur Bedarfsrechnung die Isteinnahmen zugrunde gelegt werden sollen, bei der Staatsoper seien jedoch die viel niedrigeren Solleinnahmen herangezogen worden. Die Staatsoper würde daher mehr Geld erhalten, als ihr zustünde. Was nicht zu tolerieren sei, denn die Staatsoper hat Millionen auf der hohen Kante, während man in den anderen Häusern nicht weiß, wie man über die Runden kommen soll: Die Burg erwartet für die kommende Saison im günstigsten Fall ein Defizit von 2,1 Millionen Euro, die Volksoper eines von 2,7 Millionen. Eine Zustimmung der Aufsichtsräte zu den Budgetplänen ist daher ausgeschlossen. Holdingchef Georg Springer sei gefordert, zweierlei zu tun: Den Verteilungsschüssel zu ändern - und die Gewinne der Staatsoper zur Verlustabdeckung der anderen Töchtergesellschaften heranzuziehen.

Springer ist nicht abgeneigt: 4,9 Millionen Euro würden für die nächste Saison fehlen, der Konzern habe insgesamt acht Millionen Überhang zur Verfügung. "Wir werden das wohl durch interne Umschichtungen ausgleichen müssen."

Die Situation unterscheidet sich nicht wesentlich von jener des letzten Jahres: Das Finanzministerium lehnte eine Erhöhung der Subventionen ab, weil die Konzernbilanz aufgrund der Staatsoperngewinne ein Plus aufwies, das höher war als die zu erwartenden Defizite von Burg und Volksoper. Holender wehrte sich aber gegen eine Gewinnabschöpfung und drohte erfolgreich mit Rücktritt. In der Not plünderte Springer das Instandhaltungsbudget - eine Maßnahme, die allerdings nicht wiederholt werden darf. Denn schon heuer fällt Springer sein Einspringen auf den Kopf: Völlig überraschend müssen gegenwärtig die Pferdestandbilder auf der Staatsoper restauriert werden - und die saftige Rechnung hat die Holding zu bezahlen.

Staatssekretär Franz Morak hatte Springer zwar beauftragt, ein Maßnahmenpaket zu schnüren. Es wurde nie präsentiert. Denn es gibt nur eine Möglichkeit: Springer muss die Staatsoperngewinne antasten. Und deshalb schnaubt Holender wieder vor Wut.

In einem offenen Brief greift er Drozda an, weil dieser in der Tat mehr verdient als der kaufmännische Direktor der Staatsoper: Die Burg sei, so das Credo, selbst Schuld an ihrer Misere. Eine "Änderung des Aufteilungsschlüssels werde nie erfolgen", solange er Direktor sei. Zudem hätten ihm der Kanzler und der Finanzminister "persönlich zugesagt", dass der Staatsoper kein Geld "weggenommen" werde.

Springer hat nun den Scherben auf: Einerseits sagt der Finanzminister, der Konzern brauche keine Subventionserhöhung, weil es Gewinne gibt; andererseits dürfen just diese nicht angetastet werden. Der Holdingchef hätte daher gerne eine Weisung, dass er gegen die Interessen des Konzerns zu agieren habe, weil der Kanzler dem Staatsoperndirektor sein Wort gegeben habe. Kunststaatssekretär Franz Morak will ihm eine solche Weisung aber nicht erteilen. Zumindest nicht schriftlich. Also wird weiterverhandelt. Und solange verhandelt wird, äußert sich Morak nicht.

Springer hält Bachlers Vorpreschen zwar für kontraproduktiv. Sein Rat aber: Wenn der Eigentümer der Umverteilung nicht zustimmt, sei es den Häusern selbstverständlich unbenommen, "ein Remmidemmi zu machen". (DER STANDARD, Printausgabe, 17.05.2005)

Von Thomas Trenkler
Share if you care.