WHO: USA warnen vor globaler Grippe-Epidemie

21. Mai 2005, 19:09
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Microsoft-Gründer will mehr Geld für Forschung ausgeben - Antrag Taiwans auf Beobachterstatus erneut abgelehnt

Genf - Die USA haben vor den Folgen einer weltweiten Grippe-Epidemie gewarnt. US-Präsident George W. Bush sei sich der großen Bedeutung der Lage bewusst, sagte der amerikanische Gesundheitsminister Mike Leavitt am Montag zur Eröffnung der 58. Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Sie steht ganz im Zeichen des Kampfes gegen Grippe, Malaria und andere Infektionskrankheiten.

Delegierte aus 192 Staaten beraten bis zum 25. Mai unter anderem über Verbesserungen bei der Überwachung von und Maßnahmen gegen Infektionskrankheiten. Weitere Themen der 58. WHO-Jahrestagung, an der für Österreich bis Dienstag Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat teilnimmt, sind Krebsvorsorge und -kontrolle sowie die Folgen der Alterung vieler Gesellschaften.

Vogelgrippe gibt zu Sorge Anlass

Besonders die in Asien immer wieder auftretende Vogelgrippe, die 89 Menschen befallen und über die Hälfte davon getötet habe, gebe zu Recht zu großer Sorge Anlass, sagte Leavitt. "Selbst in der kurzen Zeit, in der ich Gesundheitsminister bin, bin ich mir voll dessen bewusst, welche Katastrophe eine große Epidemie auslösen könnte." Deshalb werde in den USA auch gezielt nach einem Impfstoff gegen das tödliche Vogelgrippe-Virus H5N1 geforscht.

Es gibt bereits internationale Standards zum Verhalten bei Epidemien, so etwa für die Vogelgrippe oder die Lungenkrankheit Sars. Diese sollen jedoch noch verbessert werden, weil die WHO bei manchen Infektionskrankheiten wie der Grippe Epidemien von weltweitem Ausmaß, so genannte Pandemien, befürchtet. Unter anderem muss sichergestellt werden, dass im Krisenfall ausreichend Impfstoff bereitgestellt werden kann. Hier hat die WHO noch erhebliche Defizite festgestellt.

Bill Gates will mehr Geld in Forschung investieren

Microsoft-Gründer Bill Gates kündigte in Genf an, die Beiträge der 2003 gegründeten Gates-Stiftung für die Erforschung der "Großen Herausforderungen der Weltgesundheit (The Grand Challenges in Global Health) von 200 auf 450 Millionen Dollar (356 Millionen Euro) zu erhöhen. Die Stiftung unterstützt einen weltweiten Wettbewerb um Ideen zur Bekämpfung von Krankheiten. Mehr als 10.000 Wissenschaftler aus mehr als 80 Ländern hätten sich bisher beteiligt, sagte Gates in Genf. "Die Qualität der Ideen und das Ausmaß der Antworten haben uns gezeigt, dass sich Wissenschaftler zusammentun, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, Fragen zu untersuchen, die Millionen von Leben retten können." Humanitäre Organisationen wie Oxfam kritisierten, dass die Staaten mehr zur Gesundheitsforschung tun müssten.

Politisch brisant war der nunmehr neunte Antrag Taiwans auf einen Beobachterstatus bei der WHO. Dieser wurde mit Rücksicht auf China am Montag abermals abschlägig beschieden. Das bedeutet, dass der Inselstaat von den WHO-Netzwerken zur Seuchenbekämpfung weiterhin ausgeschlossen bleibt, wie die taiwanische Delegation beklagte. Die USA hatten den Antrag Taiwans unterstützt. (APA/dpa/AP)

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