Schöner trinken

26. Juli 2005, 11:51
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Bei keinem anderen Getränk nehmen sich Hersteller und Designer so sehr der Verpackung an wie beim Wasser

Man greift heute nicht einfach so zur Flasche. Auch abseits der Wellness-Industrie heißt der Trend "Schöner Trinken". Und wie so oft zählt dabei die Hülle mehr als die Fülle. Denn einmal abgefüllt ist Wasser nicht mehr nur Durstlöscher, sondern vor allem auch Marke. Während im alltäglichen Hausgebrauch verständlicherweise die Vorteile der PET-Flasche zum Tragen kommen, zählt anderswo vor allem Image. Gerade auf den Tischen der gehobenen Gastronomie steht deshalb Glas wieder im Mittelpunkt. Man könnte meinen, das entspricht - trotz Mehrweg-Vorteil - nicht dem Zeitgeist. Immerhin bietet das formfreudige, wenngleich etwas unedle PET-Material gestalterisch nahezu jede Freiheit, wie man etwa an der kugelrunden OGO-Flasche von Ora-Ito sieht.

Doch unser natürlichster Durstlöscher hat im Hinblick auf die geschmackvolleren Functional-Drinks mitunter ein kleines Imageproblem. (Und - Hand aufs Herz - wer außer ein paar Experten und vielleicht Wasser-Fetischisten schmeckt bei Mineralwasser den Unterschied?) Also muss ein Imageträger her - und zwar nicht irgendeine Flasche, sondern eine echte Auftragsarbeit. Immer mehr Wasserabfüller beschäftigen zwecks Formfindung waschechte Top-Designer. So wird banales Wasser mitunter zum Must-Have. Denn je nach Marke trägt man schon einmal einen Philippe Starck oder Marcel Wanders mit sich herum. Das honorieren mittlerweile auch diverse Organisationen mit den "Shine Awards" oder den "bottlewaterworld design awards".

"Best Packaging Innovation"

Auch das heimische Vöslauer wurde dabei schon für "Best Packaging Innovation" ausgezeichnet. Als vergangenes Jahr ein Geologe im deutschen Löberschütz (Thüringen) eine neue Mineralwasserquelle entdeckte, wurde gleich einmal ein Wettbewerb ausgeschrieben, um ein ansprechendes Gefäß zu gestalten: Eingeladen wurden Bruno Ninaber van Eyben, Marcel Wanders, Marcello Morandini, Andreas Weber und Maximilian Muth.

Den Zuschlag erhielt Marcel Wanders mit einer Art Hommage an das H20-Molekül - auch wenn es bis dato fraglich ist, ob die sehr skulpturale "Celsius"-Flasche jemals in Produktion gehen wird. Wanders sieht in der ungewöhnlichen Form keinen Nachteil. "Es ist Statement für die Bedeutung des Wassers. Wasser ist eine Kostbarkeit und sollte als solche behandelt werden. Die westliche Welt geht viel zu selbstverständlich damit um. Dabei sollte man gerade die Dinge des alltäglichen Lebens viel mehr schätzen lernen. Und zudem ist die Flasche handlicher und praktikabler, als sie auf den ersten Blick wirkt."

Das walisische Quellwasser Ty Nant hat sich nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen, kobaltblauen Flasche zum Star der Szene gemausert. Man findet es nicht nur in Fünf-Sterne Hotels, Clubs, bei Galas und VIP-Events, sondern auch in Design-Magazinen wie Elle Deco, Arena oder theme. Der Hang zur Farbe entstammt übrigens einer alten, viktorianischen Gewohnheit, in blauen Flaschen vorwiegend giftige Substanzen aufzubewahren. 1999, zum zehnjährigen Jubiläum, servierte man "Ty Nant Too" - im purpurroten Look. Praktischer Nebeneffekt: Die Flaschen eignen sich hervorragend als Dekoration und stehen sogar Künstlern und Fotografen Modell. (Für die farblose PET-Variante zeichnete übrigens Designer Ross Lovegrove verantwortlich.)

Auch die zweite Marke aus dem Haus Ty Nant...

... setzt auf glasklares Design: TAU, seit 2003 auf dem Markt, wurde mit den klaren, minimalistischen Linien und dem reduzierten Etikett in Schwarz oder Weiß sofort zum Lieblings-Getränk zahlreicher Kreativer wie Alexander McQueen. Die 1969 von Günter Kupetz gestaltete Perlenflasche gilt mittlerweile übrigens als Denkmal deutschen Designs. Obwohl die erste Variante - damals wenig schmeichelhaft - als "Zwiebelturm", "Kremlturm" und "Kosakenkaffee" bezeichnet wurde. Die Adaption mit schmalerer Taille und Bläschen-Deko steht aber bis heute unverändert bei unseren deutschen Nachbarn im Kühlschrank, neuerdings auch als PET-Mehrwegflasche. Nun ja, sie ist zumindest zeitlos.

Das ist auch das Design der Apollinaris Flasche von Peter Schmidt, das "die Epochen unabhängige Bedeutung des Wassers aufgreift und auf die Form der Tonkrüge zurückgeht, in denen das Heilwasser früher abgefüllt wurde". Für das korsische St. Georges griff Philippe Starck zum Stift, der mit seiner Umsetzung die traditionelle wie moderne Identität des Wassers und Korsikas kommunizieren will. "Der schwarze Deckel steht für die ernste Schönheit, die das Wesen Korsikas ausmacht. Das orangefarbene "T" im Namen verleiht dem Design eine Spur Subversion, während das blasse Aluminium den modernen Aspekt des Wassers vermittelt." Bei soviel Design wird Wassertrinken letztendlich doch wieder zur Geschmackssache.
(Tina Preschitz/Der Standard/rondo/13/05/2005)

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    foto: hersteller
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