"Ich mag die Rallye nach wie vor nicht"

16. Mai 2005, 23:01
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Manfred Stohl sorgte mit dem zweiten Platz beim WM-Lauf auf Zypern für eine Sensation - Der Wiener im Interview: "Ein cooles Gefühl"

Limassol/Wien - Manfred Stohl und Co-Pilotin Ilka Minor haben am Sonntag als Zweite der Rallye auf Zypern im Raum Limassol für das beste österreichische Ergebnis in der Geschichte in einem WM-Lauf mit Werksteams gesorgt.

Für Stohl, im OMV World Rally Team engagiert, bedeuteten die 4:09,5 Minuten auf den französischen Sieger Sebastien Loeb - Weltmeister, Citroen-Xsara-WRC-Markenkollege und aktueller WM-Leader - den geringsten Rückstand überhaupt in seinen bisher 88 WM-Läufen, davon 14 in einem World Rally Car. Die APA bat den 32-Jährigen zum Interview:

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APA: Herzlichen Glückwunsch zum zweiten Platz auf Zypern. Wie geht es Ihnen jetzt wenige Stunden nach der Siegerehrung?
Stohl: "Danke, bestens. Ich genieße den Abend und den Erfolg. So wirklich kann ich es noch nicht begreifen, aber es kommt langsam. Ein cooles Gefühl."

Diese Platzierung kommt überraschend, da Sie immer wieder geklagt haben, mit dem Citroen Xsara WRC noch nicht optimal zurecht zu kommen und Zypern nicht zu Ihren Lieblingsläufen zählt.
"Ich habe nach wie vor Probleme mit dem Auto. Aber diesmal kann ich gegen das Material nichts sagen, es war perfekt, alles hat super gepasst, die Reifen waren okay. Hier war ich seit 2002 nicht mehr, es war aber fast alles gleich, nur ein kleiner Teil war neu zu schreiben. Die Straßen sind im gleich schlechten Zustand wie damals, sind aber in meinem Stil und kommen dem Auto entgegen. Ich mag die Rallye nach wie vor nicht, aber man muss sich einfach darauf einstellen. Ich freue mich auf jede Rallye."

Ihr Auto wird privat von Kronos Racing in der WM eingesetzt. Sie sind in der WM nun mit elf Punkten Siebenter. Von den Citroen-Werkspiloten hat Weltmeister Loeb souverän die WM-Führung inne, der Belgier Francois Duval ist mit einem vierten Platz in Neuseeland und bei fünf Ausfällen nur Elfter und wackelt. In der Konstrukteurswertung liegt Peugeot voran. Wie sehen Sie das?
"Relativ gelassen eigentlich. Ich konzentriere mich auf mich und mein Programm. Ich habe heute aber Gratulationen von allen Seiten bekommen. So was hat man nicht alle Tage."

Sie haben am Sonntag den Eindruck erweckt, die Situation zu kontrollieren, Platz zwei schien nie gefährdet und gegen den Ansturm des Esten Markko Märtin abgesichert.
"Ich habe gleich in der Früh in der ersten Prüfung gezeigt, dass sie gar nicht versuchen brauchen, mich einholen zu wollen. Nur dass sie alle Bescheid wissen."

"2000 waren sie Gruppe-N-Weltmeister. Wie ist dieser Erfolg auf Zypern einzustufen?
"In etwa ist es gleichzusetzen, der WM-Titel war ein sehr, sehr großer Erfolg, das bleibt ewig in Erinnerung. Wenn ist das jetzt realisiere, dann kommt es dem wohl gleich."

Haben Sie sich damit für ein Werksteam für 2006 empfohlen?
Stohl: "Das habe ich schon letztes Jahr mit dem einen oder anderen Ergebnis. Es sind viele Fahrer für wenig Plätze. Momentan denke ich nur an heuer, ich habe noch ein Programm zu absolvieren, ich habe noch sechs Läufe vor mir."

Und wie es ausschaut, wird sich Citroen 2006 nicht an der Rallye-WM beteiligen.
"Darüber weiß ich zu wenig, aber es sieht sehr danach aus."

Gönnen Sie sich jetzt einmal ein paar Tage Pause, oder werden Sie wie üblich gleich nach Rückkehr wieder in ihrer Firma Stohl Racing arbeiten?
"Alles ganz normal wie immer. Auf mich warten Termine ohne Ende. Gefeiert wird heute auch nicht zu lange, der Flug geht um 3:25 Uhr. Da brauche ich gar nicht schlafen zu gehen."

Sie lassen den Lauf in der Türkei aus und sind erst wieder Ende Juni bei der Akropolis-Rallye im Einsatz. Ihre Erwartungen?
Den Lauf habe ich vom letzten Jahr sehr positiv in Erinnerung (Sechster/Anm.). Ich werden jetzt nicht abheben. Die Karten werden neu gemischt. Aber Platz sieben in der WM, das ist beruhigend."

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    Manfred Stohl und Ilka Minor im Ziel der Zypern-Rallye in Limassol.

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